Das Frühstück hat ja noch geklappt. Aber beim Mittagessen musste ich kapitulieren. Es ist mir trotz intensiver Bemühungen nicht gelungen, das Mittagessen auch nur ansatzweise innerhalb des Rahmens zu realisieren. Das lag vor allem an drei Problemen:
1. Die Bratwurst für 38 Cent. Ich habe keine derart billige Bratwurst gefunden mit ausnahme der obskuren “Bratwurst grob zerkleinert, mediterran gewürzt” bei Lidl (und selbst die wäre noch etwas zu teuer gewesen).
2. Das Kartoffelpürree: Aufgrund der angespannten Situation, die sich durch die Bratwurst ergeben hätte, wäre der Kartoffelbrei weggefallen. Das liegt daran, dass die Zielmarke mit den gegebenen Mitteln nicht zu nehmen ist, zumal der Senator eine wichtige Zutat, nämlich die Milch, nicht angegeben und entsprechend nicht kalkuliert hat.
3. Die erwähnte Tomatensauce von Tag 1 muss dringend überdringend gegessen werden, weil sie sonst nicht mehr zu verzehren ist. Damit fällt aber das Gesamtkonstrukt in sich zusammen, weil entweder die Ernährung nicht mehr abwechslungsreich sein kann oder andernfalls die Zielmarke der Ausgaben insgesamt zangsläufig verfehlt werden muss, weil angesichts der knappen Kalkulation es schlicht nicht drin ist, Essen wegzuwerfen. Blöd ist daher auch, dass mein Eisfach kein Eisfach ist, sondern lediglich ein besserer Eiswürfelbehälter.
Das Problem setzt sich beim Abendessen und allen weiteren Mahlzeiten, die folgen könnten munter fort: Zu Abendessen muss ich langsam an die Suppe (Tag 2) ran. Spätestens am Folgettag bekommt der restliche Leberkäse von Tag 1 (igitt) Beine. An den übrig gebliebenen Kartoffelsalat, den Krautsalat usw. will ich gar nicht erst denken.
Eins hat sich gezeigt: Es ist möglich, für weit weniger als 4,25 Euro täglich was essbares auf den Tisch zu zaubern. Das – so muss ich zugeben – hatte ich so nicht erwartet. Das Ziel der Maßnahme war es jedoch, eine ausgewogene, gesunde und abwechslungsreiche Kost für einen Einpersonenhaushalt zu generieren. Genau daran scheitern die Berechnungen des Senators. Entweder bleibt man im Kostenrahmen, dann kann aber von “abwechslungsreich” oder “ausgewogen” keine Rede sein. Oder man versucht eine abwechslungsreiche Ernährung, dann jedoch wird der Kostenrahmen erheblich gesprengt.
Von gesunder Nahrung kann ohnehin keine Rede sein. Entweder habe ich deutlich zu viel oder deutlich zu wenig Kalorien zu mir genommen, was so oder so dazu führte, dass ich mit Heißhunger auf alles mögliche, knurrendem Magen oder Blähungen zu kämpfen hatte. Getränke – außer durchschnittlich 133 ml Saft pro Tag – hat der Senator nicht vorgesehen. Frisches Obst und Gemüse war viel zu gering portioniert. Bei den restlichen Lebensmitteln musste in fast jedem Fall der billigste Schund gekauft werden, was angesichts der zahlreichen Lebensmittelskandale, Gammelfleischfälle und der Debatte um adipöse Menschen alles andere als gesund und sinnvoll sein kann.
Wie geht es weiter? Ich werde die Ergebnisse des Selbstversuches, mit dem Speiseplan von Thilo Sarrazin drei Tage für je 4,25 Euro durchzukommen, zusammenfassen und an den Senator schicken und ihn gleichzeitig um eine Stellungnahme bitten. Der Zusammenfassung werde ich die Kassenzettel beilegen. Vielleicht hat er ja eine Einkafsquelle, die ich nicht kenne. Im Zuge der Auswertung des Test werde ich eine Ernährungsberaterin einbeziehen, der ich den Fall vorgelegt habe. Dann werden wir sicher sehen, wie gesund und vollwertig der Speiseplan ist.
Ausgehend davon, dass der Regelsatz schon an der Grundversorgung, nämlich der Ernährung, scheitert, kann sich jeder vorstellen, welche Folgen Hartz IV für gesellschaftliche, kulturelle oder sonstige Beteiligung am Leben hat.
To be continued.
mark vs. world
Sarrazin-Experiment