Würde ich hier noch Werbung schalten, dann könnte ich Thilo Sarrazin dankbar sein: Bei jedem Fall verbaler Diarrhoe, die den ehemaligen Finanzsenator Berlins heimsucht, spült er viele Neugierige zum Sarrazin-Experiment. Damals versuchte ich, den Hartz IV-Speiseplan nachzukochen, den der Senator empfahl. Igitt, eine unangenehme Erinnerung.
Jetzt ist Thilo Sarrazin nicht mehr Finanzsenator, sondern im Vorstand der Bundesbank (versteht es also auch ganz gut, langfristig von öffentlichem Geld zu leben; eine richtige Karriere also). Seine verbale Diarrhoe konnte er jedoch nicht auskurieren. In der Zeitschrift Lettre teilte er mit:
Er müsse ‘niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert’, findet der Bundesbanker. “Das gilt für 70 Prozent der Türken und für neunzig Prozent der arabischen Bevölkerung.”
(Quelle)
Bei heute.de lese ich jetzt, dass Sarrazin sich entschuldigt und dass er seine Äußerungen bedauere. Ich frage mich nur, warum er sich noch entschuldigt. Das würde ja nur Sinn machen, wenn er es entweder ernst meinte. Das kann ich mir aber nicht vorstellen, denn sonst wäre er nicht so ein pathologischer Fall. Er hat ja richtig Spaß daran, am Tag nach einem Interview durch die entrüsteten Medien zu geistern. Oder aber er erhofft sich einen Vorteil durch eine Entschuldigung. Die aber wäre nur glaubwürdig, wenn er es ernst meinte damit. Das wiederum kann ich mir nicht vorstellen (siehe oben).
In der Vergangenheit sah das nämlich so aus:
- Sarrazin: „Für fünf Euro würde ich jederzeit arbeiten gehen. Das wären 40 Euro pro Tag.“
Entschuldigung: Das war ein schwerer Fehler. Das war eine dämliche Äußerung. (Quelle) - Sarrazin (zu höheren Gebühren für (Kitas): “Es wird so getan, als ob wir Kinder ins Konzentrationslager schicken.”
Entschuldigung: Ich habe versucht, mit plastischen Beispielen” zu argumentieren, damit die Leute auch zuhören.” (Quelle) - Sarrazin: Der Senator hatte im Parlament erklärt, es sei durchaus üblich, dass “im Vorfeld von Haushaltsberatungen Mörder laufen gelassen werden” – um Druck auf die Haushaltspolitiker auszuüben. Kurz zuvor hatte ein Richter einen unter Totschlagsverdacht stehenden Mann freigelassen.
Entschuldigung: Er schließe nicht aus, dass dieser Vorgang ein Zufall gewesen sei. (Quelle) - Sarrazin: Das geringste Problem von Hartz IV-Empfängern ist das Übergewicht.
Entschuldigung: In einer RBB-Sendung (Wortlaut ist leider nicht überliefert), um in der gleichen (!) Sendung nachzulegen: “Ehe jetzt einer im 20. Stock sitzt und den ganzen Tag nur fernsieht, bin ich schon fast erleichtert, wenn er ein bisschen schwarz arbeitet”. (Quelle)
Kein Wunder, dass man, wenn man bei Google nach “Thilo Sarrazin Entschuldigung” sucht, 3.300 Treffer bekommt.



Gemüsesuppe
