Innenpolitik, Bürgerrechte, Datenschutz, Medien
Februar 26th, 2010

Wie unpatriotisch! Pfui, Herr Lammert.

Bundestagspräsident Lammert hat heute DIE LINKE von der Sitzung des Bundestages ausgeschlossen, als einige Abgeordnete Schilder mit den Namen der Opfer von Kundus hochhielten. So kann man sich eine einstimmige Mehrheit für den Krieg in Afghanistan organisieren.

Lammert vertrat die – formal wohl korrekte – Auffassung, dass im Plenum keine Demonstrationen erlaubt sind. Dabei nutzt Lammert selbst das Plenum offenbar für eine, nun ja, unpatriotische Demonstration. Schaut euch mal das Foto an: Hat er etwa die Deutschlandfahne am Revers aus Protest umgedreht? Ist Lammert ein Antideutscher? Verhöhnt er unsere Boys am Hindukusch? Pfui, Herr Lammert!

Update: An der namentlichen Abstimmung dürfen die Abgeordneten der LINKEN teilnehmen.

Update II: Genauer: Der Bundestag wird darüber abstimmen, ob DIE LINKE an der Abstimmung teilnehmen darf. Von einer Zustimmung kann ausgegangen werden.

Februar 25th, 2010

Junge Freiheit gegen mich – heute war die Verhandlung

Heute fand am Landgericht Berlin der Prozess Junge Freiheit gegen mich statt (hier zur Vorgeschichte). Anders als bei anderen ging es hier nicht darum, ob die Junge Freiheit als NPD-Postille bezeichnet werden kann, sondern um eine bestimmte Tatsachenbehauptung. Um es kurz zu machen: In der Hauptsache ist kein Urteil ergangen. Vielmehr habe ich mich bereit erklärt, eine Detailformulierung zu ändern. In diesem Zusammenhang stelle ich hier gerne klar:

Die Junge Freiheit hat vor dem OLG Frankfurt keine Niederlage in einem Verfahren gegen einen Staatssekretär einstecken müssen, der behauptet hatte, dass die Junge Freiheit von der NPD-Jugendorganisation gesteuert sei. Tatsächlich hat der Staatssekretär sich von seiner Aussage distanziert und bedauert sie. Vielmehr – und das ist die Korrektur – hat die Junge Freiheit vor dem OLG Frankfurt eine Schlappe in einem Verfahren gegen den evangelischen Pressedienst eingefahren, der über die Angelegenheit folgendes berichtet hatte:

Zugleich erhob der Staatssekretär schwere Vorwürfe gegen die Zeitung Junge Freiheit, die das Projekt 2006 in einem Artikel verunglimpft habe. ‘Die Junge Freiheit werde von der Jugendorganisation der NPD gelenkt’, erklärte er. (Quelle / Urteil als PDF)

Diese Korrektur hätte die Junge Freiheit aber auch mit einer außergerichtlichen Gegendarstellung bekommen können. Aber sei’s drum. Der vorsitzende Richter Mauck hatte zu Beginn der Verhandlung ganz richtig und nicht ohne Grund festgestellt, dass dies wieder eines der überflüssigen Verfahren ist.

Beendet ist die Auseinandersetzung mit der Jungen Freiheit aber noch nicht. Jetzt ist nämlich die Frage der Kosten offen. Dazu wird das Gericht sich demnächst auslassen. Je nach Ergebnis kann also ein weiterer Prozess folgen. Wahrscheinlich aber wird die ganze Geschichte für die Junge Freiheit kein preiswertes Vergnügen. Und ob sie mit dem Ergebnis glücklich sein kann, darf bezweifelt werden. Ich jedenfalls habe nichts zu meckern.

Einen interessanten Nebenaspekt hatte die Verhandlung dann aber doch. Ganz am Rande spielte die Frage, ob man die Junge Freiheit als NPD-Postille bezeichnen kann, eine Rolle. Der Anwalt der Jungen Freiheit hat ganz freimütig – und für mich völlig überraschend – mitgeteilt, dass eine solche Aussage als Meinungsäußerung angesehen würde und dass die Rechtssprechung in der Regel dazu neige, dies als legitim anzusehen. Vor dem Hintergrund, dass die Junge Freiheit das Womblog genau wegen dieser Äußerung abgemahnt hat und wohl vor den Kadi ziehen will, kommen mir immer mehr Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Prozesstreibens am rechten Rand des Blätterwaldes. Es bleibt also spannend.

Februar 24th, 2010

Fassungslos: Keine Einbürgerung wegen LINKE-Mitgliedschaft

In Niedersachsen wird einer jungen Frau die Einbürgerung mit der Begründung verweigert, dass sie Mitglied der LINKEN ist. Der niedersächsische Verfassungsschutz bezweifle die Verfassungstreue der Genossin, wie das CDU-geführte Innenministerium erklärte.

Für Jan Korte, Mitglied des Parteivorstandes und MdB ist klar: „Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann missbraucht den Verfassungsschutz, um Politik gegen DIE LINKE zu machen. Dass das auf dem Rücken einer jungen Frau geschieht, die sich nie etwas hat zu Schulden kommen lassen, setzt dem ganzen die Krone auf“. Immerhin würde Jannine Menger-Hamilton sonst als mustergültiges Integrationsbeispiel durchgehen. Die in Celle geborene Frau ist eine soziale Aufsteigerin, spricht drei Sprachen, hat Religionswissenschaften studiert. Bis 2007 war sie Mitglied der SPD und hat die Partei wegen ihrer unsozialen Politik verlassen.

Weil diese Affäre Schünemann nicht der erst Fall ist, bei dem sich der Verfassungsschutz politisch instrumentalisieren lässt oder sich gar völlig verselbstständigt, stellt DIE LINKE jetzt die Frage in den Raum, ob es wieder zur allgemeinen behördlichen Praxis in der Bundesrepublik gehört, Anhänger der Oppositionsparteien zu gängeln und in Verwaltungsverfahren aufgrund der Parteizugehörigkeit zu benachteiligen. „Mindestens eines wird hier klar“, sagt Korte: „nicht DIE LINKE oder ihre Mitglieder haben ein Problem mit dem Grundgesetz oder dem Rechtsstaat, sondern Union und FDP, deren Regierungsmitglieder sich mal großzügig sponsern lassen oder die Sicherheitsbehörden gegen die Oppositionsparteien in Stellung bringen“.

DIE LINKE jedenfalls wird diesen unglaublichen Vorgang auf allen Ebenen thematisieren und fordert auch die anderen Parteien auf, Stellung dazu zu beziehen. Für die Zukunft unterstreicht Korte die Forderung nach dem Ende der Überwachung der LINKEN durch den Verfassungsschutz und pocht auf eine Gesetzesnovelle mit dem Ziel, die Geheimdienste endlich einer demokratischen Kontrolle zu unterwerfen.

(erschienen auf www.die-linke.de)

Februar 4th, 2010

Schwarz-Gelb: Hundert Tage Klientelpolitik

Diesen Text habe ich für www.die-linke.de geschrieben

Einer neuen Regierung billigt man nach dem Amtsantritt eine Schonfrist von hundert Tagen zu. Für die schwarz-gelbe Koalition ist diese Schonfrist nun abgelaufen.

Die designierten Vorsitzenden der LINKEN, Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, mussten im Rahmen einer Pressekonferenz eine düstere Bilanz ziehen: Die Regierung ist schon jetzt gescheitert. Sie versagt politisch in allen Bereichen, während die Bundeskanzlerin in Rekordzeit das Kabinett umbilden musste. Gesine Lötzsch zeigt sich daher überrascht, dass aus der schwarz-gelben Liebeshochzeit am Ende eine Problemehe geworden ist. Klaus Ernst befürchtet, dass die Bürgerinnen und Bürger sich spätestens nach der NRW-Wahl im Mai auf eine weitere Verschlechterung ihrer Lage einstellen müssen.

„Das Ziel der LINKEN ist, die CDU-FDP-Regierung so schnell wie möglich abzulösen“, sagte Lötzsch. Dass das nötig ist, zeigt ein Blick auf die Bilanz der Merkel-Regierung. Unter dem Vorwand knapper Kassen wird die soziale Sicherung beschnitten: Es bleibt bei Hartz IV. Es bleibt bei einem wachsenden Niedriglohnsektor. Es bleibt bei der Rente ab 67. Es bleibt beim Nein der Regierung zum gesetzlichen Mindestlohn. Dabei sind FDP und Union selbst für die klammen Kassen verantwortlich: Steuergeschenke an Reiche, Menschen mit großen Erbschaften und Unternehmen kosten viel Geld. Gleichzeitig wird an einer wirksamen Steuerfahndung gespart. „Würde der Staat die Steuerfahndung ernst nehmen, wäre er überhaupt nicht in der Situation, CDs mit Steuersünderdaten bei Kriminellen kaufen zu müssen“, so Lötzsch.

Schwarz-Gelb: bestechlich, unfähig, unsozial, unökologisch, kriegerisch

Die Politik von CDU und FDP wirkt – allerdings nur für Leute mit dickem Bankkonto. „Vom Slogan ‚Mehr Netto vom Brutto‘ ist nichts übrig geblieben“, sagt Klaus Ernst. So müsse ein KFZ-Mechaniker mit branchenüblichem Gehalt jährlich fast 900 Euro mehr für seine Krankenkasse bezahlen, wenn die schwarz-gelben Pläne der Kopfpauschale Wirklichkeit werden. Die derzeit angekündigten Sonderbeiträge von acht Euro sind da nur ein Vorgeplänkel.
Als symptomatisch für schwarz-gelbe Klientelpolitik bezeichnen Lötzsch und Ernst die Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise. „Die Banken tanzen der Bundesregierung auf der Nase herum“, moniert Lötzsch. „Zwar appelliert die Kanzlerin an die Moral der Banker; Taten folgen jedoch nicht. Im Ergebnis müssen die Bürgerinnen und Bürger für die Kosten der Krise aufkommen. DIE LINKE sagt deshalb: Wir wollen das Geld zurück, das den Banken gegeben wurde“.

Dass schwarz-gelbe Politik den Eindruck macht, käuflich zu sein, liegt nicht nur an dem skandalösen Steuergeschenk, das den Hoteliers gemacht wurde. Angela Merkel, die sich einst Klimakanzlerin nannte, versagte nicht nur auf dem Kopenhagener Klimagipfel, sondern rennt der Atomlobby hinterher und setzt unbeirrbar auf die riskante Atomtechnologie. Dass von einem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan angesichts der zusätzlichen Soldaten, die entsandt werden sollen, keine Rede mehr sein kann, rundet die schwarz-gelbe Negativbilanz nach hundert Tagen ab.

Januar 21st, 2010

Neue Eskalation: Berliner Polizei schnappt Plakatierer für “Dresden Nazifrei”

Nachdem die Dresdner Staatsanwaltschaft der Naziszene sicherlich einen Triumph verschafft hatte, indem sie das Plakat “Dresden Nazifrei – Gemeinsam blockieren” des breiten Bürgerbündnisses in mehreren Razzien beschlagnahmte, eskalierte die Auseinandersetzung am gestrigen Mittwoch.

Um 18 Uhr trafen sich gut dreißig Leute ion der Berliner Bundesgeschäftsstelle der LINKEN, um das fragliche Plakat in der Stadt aufzuhängen. Unter den dreißig befanden sich auch Bundestagsabgeordnete der LINKEN wie Halina Wawzyniak, Dorothee Menzner, Raju Sharma oder Nicole Gohlke.

An der Schönhauser Allee wurde ein Plakatierungstrupp von der Polizei aufgehalten. Der Vorwurf war nicht etwa Sachbeschädigung, sondern der Aufruf zu einer Straftat. Die Bundestagsabgeordnete Dorothee Menzner und vier minderjährige Aktivisten des Jugendverbandes Linksjugend Solid wurden daraufhin in ein nahegelegenes Polizeirevier gebracht – zwei der Jugendlichen wurden gar mit Handschellen aneinandergekettet.

Allen fünf droht nun eine Strafanzeige, obwohl nicht sicher ist, ob die Staatsanwaltschaft sich die Mühe machen wird, einen Antrag auf Aufhebung der Immunität der Abgeordneten zu beantragen. Darüber hinaus bin ich überhaupt über den Fortgang gespannt. Denn das Blockieren einer Demonstration ist keine Straftat, sondern eine Ordnungswidrigkeit. Also dürfte doch der Aufruf zu einer Blockade nicht der Aufruf zu einer Straftat, sondern zu einer Ordnungswidrigkeit sein. Und das wiederum ist nicht verboten.

Jenseits dieser juristischen Gedankenspiele bin ich aber in der Tat entsetzt, mit welchen Mitteln die Dresdner Staatsanwaltschaft eigenmächtig und ohne dass jemand eine Anzeige erstattet hätte, tätig wird. Das bei zwei mit Pinseln, Kleistereimer und Tesafilm schwer bewaffneten Schülern dann auch noch die Hanschellen klicken, ist an Absurdität kaum zu überbieten.

Fotos von der Plakatierungsaktion gibt es hier.

Januar 19th, 2010

Parteispenden: Künast beim Lügen im Morgenmagazin ertappt

Derzeit ist die FDP völlig zu Recht im Gerede, weil sie eine hohe Parteispende von einem bekannten Hotelunternehmer erhalten hat. Vor diesem Hintergrund hat die ohnehin unverständliche Senkung des Mehrwertsteuersatzes für das Hotel- und Gaststättengewerbe mindestens ein Geschmäckle.

Die Grünen fordern nun, institutionelle Parteispenden gesetzlich zu begrenzen. Im Morgenmagazin war dazu heute Renate Künast zu Gast und hat sich bei der Gelegenheit im Interview mit Werner Sonne ziemlich verhaspelt:

 
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Auf die Frage, ob die Grünen auch Spenden bekommen, antwortet Renate Künast:

Wir kriegen keine Spenden, die groß über 20.000 Euro von Einzelnen, äh, hinausgehen…

Das ist eine dreiste Lüge. Seit dem Jahr 1999, also seit die Grünen in Regierungsverantqwortung waren, haben sie von juristischen Personen, also in diesem Fall von Unternehmen 43 Spenden bekommen, die alle jeweils den Betrag von 20.000 Euro übersteigen.

Wenn der FDP vorgeworfen wird, dass ihre Politik käuflich ist, kann man das als begründet annehmen. Für die Grünen gilt das aber umso mehr. Zusammen mit der SPD haben die Grünen, als sie im Bund noch Regierungsverantwortung trugen, beispielsweise der Versicherungswirtschaft ein großzügiges Geschenk gemacht. Gemeint ist hier die Einführung der Riesterrente. Im Jahr 2000/2001 wurde das Gesetz eingeführt, das ein Auskommen mit der staatlichen Rente fast unmöglich macht und die Leute in die Arme der Banken und Versicherungen treibt. Damit sich das richtig lohnt, werden beispielsweise die Riesterverträge ordentlich subventioniert. Im Ergebnis machen die Banken Kasse.

Vor diesem Hintergrund lohnt sich ein Blick in die Mitteilungen des Bundestagspräsidenten zu den Parteispenden an die Grünen der Jahre 2000 und 2001:

  • 2000 spendet die Dresdner Bank 25.525 Euro an die Grünen.
  • 2001 bedankt sich die Allianz mit 51.130 Euro und die Dresdner nochmal mit 20.452 Euro.

Seither bekommen die Grünen regelmäßig Knete unter anderem von BMW, Allianz, dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall, Südwestmetall, Bertelsmann, Commerzbank und, und, und. Alles Spenden weit über 20.000 Euro. Wenn also der Vorwurf der Käuflichkeit von Politik auf die FDP zutrifft, dann erst Recht auf die Grünen.

Die einzige Parteri übrigens, die keine Spenden von Unternehmen bekommt, ist DIE LINKE.

Januar 7th, 2010

Nacktscanner: „Mehr auf Menschen setzen statt auf Technik“

Für die-linke.de habe ich ein kurzes Interview mit Jan Korte, dem Innenexperten der Linksfraktion, geführt. Der lehnt die Nacktscanner ab und fordert, statt auf Überwachungstechnik mehr auf Menschen zu setzen.

Frage: Gerade im Luftverkehr ist Sicherheit das Gebot der Stunde. Das zeigt nicht zuletzt der vereitelte Anschlag auf ein Verkehrsflugzeug in Detroit. Trotzdem hat sich DIE LINKE gegen die Nacktscanner ausgesprochen. Warum?

Jan Korte: Wenn ich mich in ein Flugzeug setze möchte ich mich natürlich darauf verlassen können, dass ich darin auch sicher bin. Also darauf, dass die Flugzeugtechnik funktioniert, die Piloten gut ausgebildet und hellwach sind und dass mein Sitznachbar nicht bewaffnet ist.
In der aktuellen Diskussion wird jedoch so getan, als ob die Installation von Nacktscannern praktisch über Nacht hundert Prozent Sicherheit gewährleisten würde. Doch das ist erstens nicht der Fall und zweitens greift diese unausgereifte Technik erheblich in die Persönlichkeitsrechte ein. Die Scanner machen nicht nur Waffen und Bomben sichtbar, sondern auch Prothesen, Implantate, Stomata oder Inkontinenzhilfen. Das geht zu weit, denn die Intimsphäre wird erheblich verletzt.

Wird dem Schutz der Bürgerrechte und der Privatsphäre nicht dadurch Genüge getan, dass die Bundesregierung auf die zweite Generation von Nacktscannern warten will, bei denen nur noch die Silhouette des Körpers erkennbar sein soll?

Wenn Scanner beispielsweise nicht zwischen medizinischen Hilfen und anderen Fremdkörpern unterscheiden können, wird dem nicht genüge getan. Soll etwa bei Massenabfertigungen zur Hauptreisezeit ein Diskretionsabstand eingerichtet werden, damit nicht die gesamte Mallorca-Reisegruppe mitbekommt, wenn jemand dem Sicherheitspersonal erklären muss, dass er kein Terrorist ist, sondern einen künstlichen Darmausgang hat? Wer schon einmal von einem großen Flughafen abgeflogen ist, weiß, dass das nicht geht.
Außerdem stellt sich die generelle Frage, wie weit sich Bürgerinnen und Bürger im Sinne der Sicherheit nackt machen müssen, wie weit Selbstbestimmung und Freiheit noch eingeschränkt werden sollen. Um das mal auf die Spitze zu treiben: Um für absolute Sicherheit im Luftverkehr zu sorgen könnte man ihn auch ganz einstellen. Das ist natürlich Blödsinn, macht aber deutlich, dass es keine absolute Sicherheit geben kann. DIE LINKE setzt sich für ein ausgewogenes Verhältnis von Sicherheit und Freiheit ein.

Was schlagen Sie stattdessen vor, um an Flughäfen und in Flugzeugen angesichts der Gefahr durch den internationalen Terrorismus für mehr Sicherheit zu sorgen?

Wie schon gesagt, die Scanner bieten keine totale Sicherheit. Wer im Körper etwas transportiert, der wird auch von einem Nacktscanner nicht entlarvt. Das tatsächlich existente Sicherheitsproblem an den Flughäfen ist doch eher der Sparpolitik der Betreiber geschuldet, die beim Sicherheitspersonal Stellenabbau und Lohndumping betrieben haben. Was hilft der beste Scanner, wenn Passagiere einfach an den Kontrollen vorbeilaufen, weil das überforderte Personal es nicht mitbekommt? In Staaten mit einer realen Terrorbedrohung wird mit Erfolg auf Kontrollen und Befragungen durch gut ausgebildetes Sicherheitspersonal gesetzt. Auf mehr Menschen statt auf immer mehr Technik zu setzen ist natürlich auf Dauer teurer, aber es bringt nachweislich mehr Sicherheit.

Januar 6th, 2010

Junge Freiheit hat Klage gegen mich eingereicht

Pünktlich am 24. Dezember hatte ich einen gelben Brief vom Landgericht Berlin im Briefkasten. Der Inhalt: Eine Klage der Jungen Freiheit. Im Prinzip nehme ich gerne zur Kenntnis, dass die nicht in Hamburg klagen. Das wars dann aber auch schon.

Gegenstand der Klage ist nicht etwa die Frage, ob die JF eine NPD-Postille ist oder nicht (weswegen das Womblog sich juristisch mit dem Blatt auseinandersetzt), sondern die Frage, ob die Junge Freiheit vor dem OLG Frankfurt eine Schlappe hinnehmen musste. Zwar hängen die beiden Fragestellungen zusammen. Dennoch wundere ich mich, dass die Anwälte der JF gegen das Womblog wegen des Begriffs der NPD-Postille vorgehen, es aber uninteressant zu sein scheint, wenn das in meinem Blog steht, ich dafür jedoch eine Klage wegen eines anderen Nebenaspekts bekomme. Das ist alles sehr verwirrend, zumal das Prozessrisiko nicht gerade gering ist. Auf den Verlierer werden in der ersten Instanz Kosten über mehr als 2.000 Euro zukommen. Mich stört das ja nicht weiter. Aber wenn die JF nicht weiß, wohin mit der Kohle, soll es mir auch Recht sein.

Der Streitwert wurde übrigens vom Gericht auf 5.100 Euro festgelegt – deutlich geringer als von der Jungen Freiheit beantragt. Bei Gelegenheit sinniere ich mal darüber, wie solche Streitwerte überhaupt ermittelt werden und frage mich, wie viele Milliarden der Streitwert betragen muss, wenn man gegen die BILD-Zeitung klagt.

Das mache ich aber erst nach der Verhandlung, die am 25. Februar um 11.30 Uhr im Landgericht Berlin (Albau I / 143) stattfindet.

Januar 5th, 2010

LINKE mal einig

DIE LINKE auf der Demo "Freiheit statt Angst"

DIE LINKE auf der Demo "Freiheit statt Angst"

Auch wenn es ein wenig off-Topic ist: Die Medien überschlagen sich seit fast einem Monat damit, einen Streit in der Führung der LINKEN hochzuschreiben. Zugegeben – die LINKEN sind ein streitbares Völkchen, trotzdem muss nicht alles stimmen, was Stern oder Spiegel dazu zu wissen glauben.

Dass es auch anders geht, zeigt eine interessante Basis-Initiative, die sich – für DIE LINKE untypisch – bei Facebook etabliert hat. Bislang fast 300 User fordern dort Einigkeit und ein Ende der Querelen. Interessant dabei ist der Blick auf die Liste der Gruppenmitglieder: Sie kommen aus allen Strömungen, die sich sonst angeblich so wenig zu sagen haben. Es sind Funktionäre der Landes- und Kreisebene, Abgeordnete und “einfache” Basismitglieder. Bitte mehr davon. Hier ist der Text:

Für DIE LINKE war 2009 ein sehr erfolgreiches Jahr. Wahlerfolge der ostdeutschen und westdeutschen Landesverbände und ein stetiger Anstieg der Mitgliederzahlen sind dafür ebenso Beleg wie linke Themen im Fokus der öffentlichen Debatte. Diese Erfolge sollten uns alle freuen und zugleich Ansporn sein.

Mit Bedauern nehmen wir jedoch zur Kenntnis, dass eine neue Personaldiskussion in Gang gekommen ist, hinter der Uneinigkeit über den künftigen politischen Kurs der LINKEN stecken soll.

Dazu stellen wir fest: Die Erfolge der LINKEN haben wir nur gemeinsam erreichen können. Sie gehören allen unseren Genossinnen und Genossen mit ihren zum Teil ganz unterschiedlichen politischen Erfahrungen und Lebensgeschichten. Sie gehören allen, die DIE LINKE durch produktive Diskussionen voran bringen.

Diese Erfolge wären undenkbar ohne die vielen oft ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in den Stadt- und Kreisverbänden sowie den vielen Kandidatinnen und Kandidaten auf allen Ebenen. Sie sind aber ebenso undenkbar ohne unsere Spitzenkandidaten zu den Bundestagswahlen Oskar Lafontaine und Gregor Gysi, des Bundesgeschäftsführers und Bundeswahlkampfleiters Dietmar Bartsch sowie der Spitzenkandidatinnen und -kandidaten zu den Landtagswahlen.

Wann immer wir uns gemeinsam über Inhalte und Positionen auseinandersetzen, ist das gut und für die weitere Entwicklung unserer Partei unerlässlich. Wenn aber Personaldebatten an die Stelle offener inhaltlicher Diskussionen treten, schadet das uns allen und den Menschen, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben.

Wir appellieren deshalb an den Parteivorstand, ein klares Signal der Einigkeit zu senden, damit wir in einer sachlichen Debatte den künftigen Kurs der LINKEN gemeinsam erfolgreich weiter entwickeln können.

Januar 4th, 2010

Nacktscanner: Die FDP hat von der SPD gelernt, wie es geht

Foto: flickr.com / palimphread (cc-by-nc-sa)

Foto: flickr.com / palimphread (cc-by-nc)

Die FDP hält sich kaum zurück, wenn sie sich – freilich zu Oppositionszeiten – als Bürgerrechtspartei aufspielte und klar machte: Was sie verspricht, hält sie auch. Ganz zutreffend war das schon früher nicht. Man denke nur an die Online-Durchsuchung. Während die FDP im Bundestag gegen das Gesetz ordentlich Krach machte, hat die Regierungs-FDP in NRW keine Probleme damit gehabt, als eines der ersten Bundesländer überhaupt mit Landesrecht die Online-Durchsuchung einzuführen.

Das System “Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern” wendet die FDP derzeit auch aktuell bei der Diskussion um die Körperscanner an, die vor wenigen Monaten noch Nacktscanner hießen. Gisela Piltz, die innenpolitische Sprecherin der FDP, wetterte in der vergangenen Wahlperiode des Bundestages noch gegen die Nacktscanner:

Wer auf Nacktscanner setzt, ist auf dem Holzweg. (…) Sicherheit im Flugverkehr ist von größter Bedeutung. Aber Maßnahmen, die gegen Art. 1 unseres Grundgesetzes, gegen die unantastbare Würde des Menschen verstoßen, können und dürfen dazu nicht zur Debatte stehen. Ich fordere die Bundesregierung auf, jegliche Tests an Nacktscannern umgehend einzustellen.

(Quelle: Plenarprotokoll 16/193, Seite 20913f, hier als pdf-Datei)

Das ist eine vollkommen richtige Einschätzung, die auch mit Blick auf die “neue” Technologie richtig bleibt. Gisela Piltz argumentierte im Bundestag:

Nacktscanner, die die Menschenwürde durch Unkenntlichmachung zum Beispiel des Gesichts oder durch Überblendung des tatsächlichen Körperumrisses mittels Modellen wenigstens ansatzweise besser schützen sollen, taugen nichts.

(Quelle: ebd., S. 20914)

Heute hört sich das ganz anders an. Die Welt schreibt:

FDP-Fraktionsvize Gisela Piltz sagte in der “Rheinischen Post”, sofern die Würde des Menschen gewahrt werde, “müssen wir zur Sicherheit der Passagiere auch in solche Systeme investieren”.

(Quelle)

Da habe ich keine Fragen mehr, sondern zitiere zum Abschluss nochmal Gisela Piltz, die ihre Kollegen von der SPD in gleicher Bundestagssitzung anging:

Aber das ist ja wohl die neue Taktik der SPD: sich aufspielen als zähnefletschender Tiger, der die Bürgerrechte verteidigt, und dann als Bettvorleger landen, wenn Herr Schäuble böse guckt.

Hat die FDP immerhin was gelernt von den Sozen.

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