Spreeraum: Ausschuss der Merkwürdigkeiten
Gestern tagte in der Bar 25 der BVV-Sonderausschuss zum Spreeraum. Der Ausschuss wurde nach dem erfolgreichen Bürgerbegehren “Spreeufer für alle” eingerichtet, um Möglichkeiten einer Einigung zu eruieren.
Ich wunderte mich ja schon über den eigenartigen Tagungsort. Ich hätte auf einem neutralen Tagungsort bestanden, zumal gerade die Zukunft der Bar 25 gestern unter anderem Gegenstand des Ausschusses war. Der Ausschuss verlief ebenso eigenartig wie das gesamte politische Umfeld rund um das Thema Spreeufer funktioniert. Die SPD hat ein Mitglied ihres Kreisvorstandes in die Besucherreihen geschickt, das – als Bürger getarnt – vermeintlich kluge Fragen stellte und dabei die halbe Lesebrille immer mitten auf der Stirn trug. In offizieller Funktion hingegen stand die Wirtschaftsstaatssekretärin Almut Nehring-Venus (LINKE) Rede und Antwort. Sie erklärte mehrfach Dialogbereitschaft, konnte den Anhängern des Bürgerbegehrens aber nicht entgegenkommen, die immer wieder forderten, dass die landeseigenen Betriebe BEHALA und BSR auf zweistellige Millionenbeträge verzichten sollen, indem sie ihre Grundstücke am Spreeufer nicht verwerten. Nehring-Venus musste sich dann auch gegen Anwürfe verteidigen, dass die landeseigenen Betriebe ausschließlich auf die Gewinnmaximierung fixiert wären. Eine absurde Unterstellung, da die Grundstückserlöse, die am Spreeufer entstehen, ausschließlich für die öffentlichen Aufgaben der Unternehmen verwendet werden, zusätzliche Investitionen ermöglichen und damit der Allgemeinheit zugeführt werden.Auf viel Akzeptanz stieß diese Argumentation freilich nicht, die Vertreter des Bürgerbegehrens jonglieren mit den Millionen als wären sie kleine Ackermänner.
Grotesk wurde die Situation, als einer der Betreiber der Bar 25 zu Wort kam. Der verwies darauf, dass die Bar ein Betrieb mit hundert Beschäftigten sei. Er habe investiert und wenn die BSR als Eigentümerin des Grundstückes nun auf der bereits ausgesprochenen Kündigung bestehen würde, dann wäre seine Investition futsch und er würde womöglich mit Schulden aus dem Projekt aussteigen müssen. Außerdem bestand der Barbetreiber darauf, dass er ein ethischer Mensch sei, die Putzfrauen verdienten 8,50 Euro die Stunde und er würde sich auch um den Erhalt der Bäume kümmern. Szenenapplaus aus dem Publikum. Was ich daran grotesk finde? Zum einen bringt der Barbetreiber die gleiche Argumentation vor, mit der auch BEHALA und BSR in den Ring steigen. Das ist zwar durchaus eine legitime Argumentation, warum sie im Falle der Bar 25 eine andere Qualität haben soll als im Falle der landeseigenen Betriebe, vermag ich nicht nachzuvollziehen. Zum anderen behauptet der Barbetreiber, dass sein Betrieb den öffentlichen Zugang zum Spreeufer garantieren würde. Zwar nur von 16 bis zwei Uhr, aber immerhin. Ok, wenn es voll wird, dann fände eine Gesichtskontrolle statt. Das ist alles andere als öffentlich. Und alternativ ohnehin nicht, sondern eine reine Kommerzmaschine, an die ich keine anderen Maßstäbe anlegen will als an jeden anderen Betrieb im Bezirk.
Eins muss man der Bar 25 allerdings lassen: Während Gäste des Betriebes für ein kleines Bier 3,50 Euro und für einen Rotwein ein mir gerade nicht bekanntes kleines Vermögen zahlen, kostete das Bier während der Ausschusssitzung gestern nur einen Euro und der Wein 2,50 2 Euro. Süppchen war sogar kostenlos.



