Über das dumm-dreiste Sommerinterview mit Oskar Lafontaine im ZDF wurde schon zu viel richtiges geschrieben, als dass ich noch einen draufsetzen müsste. Ich warte einfach ab, wie das ZDF die Vorsitzenden der anderen Parteien anspeicheln wird, wie es das immer macht. Ob Angela Merkel auch keinen Satz wird zu Ende sprechen können und ob frey oder der unsägliche Hahne auch vier Mal nach Merkels FDJ-Vergangenheit fragt. Und dann freue ich mich, weil ich Recht habe. Und Klugscheißerei ist gut für das Selbstbewusstsein. Zumindest dann, wenn man Recht hat.
Fast schlimmer als das Interview ist die Nachberichterstattung in den Zeitungen heute. Da wird viel reflektiert, dass Interviews in Printmedien nachträglich durch Autorisierung glattgebügelt werden und dass das im TV nicht möglich wäre. Letzteres ist schon nur teilweise richtig, denn auch TV-Interviews werden geschnitten, kommentiert, in anderen Content eingebettet.
Dem ganzen die Krone aufgesetzt hat aber die Süddeutsche heute, die schreibt:
Bei Interviews in Printmedien haben die Politiker weitreichende Möglichkeiten zur Korrektur, weil ihnen der gedruckte Wortlaut zur Autorisierung vorgelegt werden muss. Was danach zurückkommt, erinnert oft nur noch entfernt an den zuvor gesprochenen Wortlaut.
(Quelle: Süddeutsche, 14.7.2009, Seite 13: “Gift und Galle”)
Ganz abseits von Frey und Lafontaine lässt das tief blicken, wie man in München Blatt macht. Es stimmt nämlich mitnichten, dass Interviews zur Autorisierung vorgelgt werden müssen. Im Gegenteil. Die Redaktionen legen die Interviews meist freiwillig zur Autorisierung vor und schlucken bereitwillig jede Änderung, die man ihnen vorschlägt. Ob man das Spiel aber tatsächlich mitspielt, oder auf das eine oder andere Interview verzichtet, ist eine ganz andere Frage. Nämlich eine Frage an den Anspruch, den ein Blatt daran hat, was es seinen Leserinnen und Lesern verkauft. Und wenn die Süddeutsche nun quasi zugibt, alle Interviews autorisieren zu lassen und den Lesern dann eine Pampe verkauft, die mit dem tatsächlich geführten Interview nichts zu tun hat, dann ist das vor allem ein Problem der Süddeutschen selbst und symptomatisch für das, was heute als “journalistische Qualität” behauptet wird.
Das schlimme an dieser, man muss sagen: Arschlosigkeit der meisten Journalisten ist die Selbstzensur, der sie sich ausliefern und die schlimmer ist als staatliche Zensur. Gegen letztere kann man kämpfen. Erstere ist selbstverursacht. Vielleicht, weil man sich so wohl dabei fühlt, die Grenze zwischen Beobachter und Akteur verwischen zu lassen und mal mit den Wichtigen des Landes gemeinsam an einen Baum zu pinkeln.
Dass es auch anders geht, zeigt beispielsweise das Magazin “Hinz und Kunzt”:
Ich lasse mir Interviews nur in Ausnahmefällen zur Autorisierung vorlegen: Wenn die Faktenlage besonders kompliziert ist und ich Zahlen nachprüfen will. Oder wenn ich in der Vergangenheit schon Mal schlechte Erfahrungen mit dem konkreten Journalisten gemacht habe. Trotzdem – und das, obwohl ich alles andere als ein Spitzenpolitiker bin – bekomme ich regelmäßig angeboten, die Interviews zur Autorisierung vorab zu bekommen. Eine Versuchung, der man erstmal widerstehen muss.
Eins doch noch zum Thema Lafontaine: Das Interview war bestimmt nicht vorab autorisiert. Gerade deshalb war es ja auch spannend. Aber trotzdem war es mieser Kampagnenjournalismus meilenweit unter der Gürtellinie. Wir werden das bald vergleichen können.











[...] draußen regen sich gerade ein paar Leute über die “Süddeutsche Zeitung” auf, die ihre Medienseite heute mit folgendem Satz [...]
[...] Mark Seibert Logbuch | – Über das dumm-dreiste Sommerinterview mit Oskar Lafontaine im ZDF wurde schon zu viel richtiges geschrieben, als dass ich noch einen draufsetzen müsste. Ich warte einfach ab, wie das ZDF die Vorsitzenden der anderen Parteien anspeicheln wird, wie es das immer macht. [...]
naja – auf viele Intrviews müsste man ohne Autorisierungszusage verzichten. Natürlich haben diese Art von Maulsperre die wenigsten Journalisten gerne. Aber es ist schon etwas mehr als “das eine oder andere Interview” würde ich behaupten. Und bei den ganz Großen geht ohne gar nichts. Das ist ja das Problem. Keine Autorisierungspflicht. Aber auch kein Recht auf Interviews.