… einen guten Rutsch. Ich hoffe nur, Ihr rutscht am 18. Januar nicht unter 20 Prozent.
Hessen: Der Rasende Roland
Das Programm des Hessischen CDU-Ministerpräsidenten(kandidaten) zum selberklicken und einbinden: Read the rest of this entry »
Basis sein
Will ich auch hier nicht verschweigen: Ich habe Anfang Dezember beim Bezirksverband der LINKEN in Friedrichshain-Kreuzberg in den Sack gehauen. Gegenüber den anderen Vorstandsmitgliedern habe ich diese Erklärung abgegeben (gegen bescheidene Gage komme ich zu Euch nach Hause – aus der Geschichte kann ich ein zweistündiges Programm machen):
Schwarz
SpOn rezensiert ein Buch, in dem sich jemand damit auseinandersetzt, warum viele Künstler und Intellektuelle ausschließlich schwarze Kleidung tragen. Der Artikel hat mich natürlich sofort angesprochen, schließlich wundern sich Zeitgenoss/innen immer mal, wenn ich Wäsche gewaschen habe und der Wäscheständer in meinem Zimmer steht: “Du hast ja tatsächlich nur schwarze Sachen”. Warum man sich darüber wundern muss, weiß ich auch nicht. Seit 2000 habe ich kein farbiges Kleidungsstück mehr getragen – wenn man mal von dem tollen lindgrünen Wahlkampf-Polohemd des 2005-er Bundestagswahlkampfes absieht.
Als ich ein noch größerer Angeber war, hätte ich sicher auf den Existenzialismus als Initialzündung der Kleidungswahl verwiesen – wohl wissend, dass das nicht ganz zutreffend ist. Eben lese ich, dass der Gedanke nahe liegen könnte:
Die Farbwahl signalisiert eine bestimmte Lebenseinstellung, jenseits der Rocker und Lederfetischisten; es ist das Sattdunkel von Druckerschwärze, Jazzkneipen und Sartres Lungenflügel: Das sei eben die Couleur der “Weltverbesserer”, der “Moralisten”, meinen die einen. (Quelle)
Zwar kann ich eine bescheidene Neigung zu französischen Existenzialisten nicht verhehlen, aber meine Bekleidungspolitik konnten Sarte oder Camus nicht beeinflussen. Auch mit den Autonomen habe wenig am Hut. Nein, es ist natürlich viel trivialer.
Ich könnte mich auf Bernd das Brot berufen, der immer wieder erklärt: “Ich hasse bunt”. Aber den kannte ich 2000 noch nicht. Es sind zwei viel handfestere Gründe, die mich bewegten, der Farbe zumindest bei Textilien eine Absage zu erteilen.
Erstens bin ich – was Mode angeht – wirklich ein Autist. Schon der Kauf von Klamotten sorgt für Schweißausbrüche vorher und drei Stunden schlechte Laune nachher. Warum manche Farben angeblich nicht zusammen passen, konnte ich noch nie verstehen. Manchmal drohten mir Menschen Schmerzensgeldklagen für den Fall an, dass sie wegen meines Outfits an Augenkrebs erkranken sollten. Schwarz drängt sich allein deshalb auf. Man kann nichts falsch machen und ist immer irgendwie richtig angezogen. Es gab jedenfalls seither keine Klagen mehr.
Zweitens – und das ist ein wirklich handfestes Problem, das ich outfittechnisch lösen konnte – war ich seinerzeit damit konfrontiert, in einem Büro ohne eigene Kaffeemaschine zu arbeiten. Also trottete ich acht bis zwölf Mal am Tag eine Etage tiefer, holte mir einen Kaffee, balancierte die Tasse wieder nach oben. Meine Kollegen konnten an der Kaffeetropfenspur im Treppenhaus erkennen, ob und wie lange ich schon im Hause war. Aber schlimmer noch: Nicht der gesamte Kaffee landeten auf der Treppe – höchstens die Hälfte. Der verschwappende Rest formte sich zu lustige Flecken auf meiner Hose, aus denen begabtere Menschen die Zukunft vorhersagen konnten. Psychologische Praxen bestellten meine Hosen für diese Farbkleckstests. Eher zufällig entdeckte ich, dass Kaffee auf schwarzen Hosen keine Flecken hinterlässt, sondern unauffällig versickert. Ein echtes Argument für schwarz. Als ich dann mal zwei Tage ganz in schwarz durch Frankfrt wandelte und sich auch noch Lobeshymnen wichtiger weiblicher Menschen häuften, war eine Entscheidung getroffen.
Damit erleichterte sich auch der Klamottenkauf erheblich: Wenn ich meinen Textilschweden besuche, muss ich nur schnell schauen, wo was schwarzes ist, die Größe vergleichen, bezahlen, fertig. Ich spare 98 Prozent der Zeit und viele Nerven.
Aber ansonsten nehme ich billigend in Kauf, dass mich viele für voll krass intellektuell halten, nur weil ich schwarz trage. Und wundere mich, dass jemand ein Buch über solche Fragen schreibt.
Weihnachtsgruß aus Rom
Huch, so eine Überraschung: Der bayerische Fundamentalist und heutige Papst ist ein reaktionärer Drecksack. Wer hätte das gedacht.
Er (der Papst) hatte die Homo-Ehe als widernatürlich verdammt. (Quelle)
Nein, also sowas. Damit konnte man nun wirklich nicht rechnen. Wo doch schon der Kardinal Ratzinger als ausgesprochen weltoffener, sympathischer und liberaler Mann der Kirche überall bekannt und geschätzt war.
Das verlockt mich doch direkt dazu, Dario Fos “Der Papst und die Hexe” mal zur Hand zu nehmen:
1. Kardinal: Er ist tot!
Papst: Ich lebe!
1. Kardinal: Er ist tot!
Papst: Du Unglücksrabe!
Magierin (hält ihn auf): Lasst ihn gehn, es ist besser, er ruft die Neuigkeit aus
Papst: Die Neuigkeit, dass ich ermordet wurde?
Magierin: Glaubt mir, in dieser Situation ist es besser, man hält Euch für tot.
(aus: Dario Fo: Der Papst und die Hexe. Verlag der Autoren, Theaterbibliothek)
Mit Forken und Fackeln
Große Überraschung: Das Münchener Nazi-Paar, das im Verdacht stand, mit den Attentat auf diesen Passauer Polizisten in Verbindung zu stehen, ist jetzt freigelassen worden. Die Vorwürfe lassen sich wohl nicht aufrecht erhalten. Das wirft, wie ich finde, ein bezeichnendes Licht auf die gesamte Debatte, die nach dem Attentat losbrannte.
Schon am Tag des Vorfalls machten sich auch Menschen, die sonst politisch sinnvolle Dinge von sich geben, auf den Weg in den Keller und holten Fackeln, Mistgabeln und Pieken hervor, um sich gemeinsam mit anderen Politikern, mit denen man sonst nie gemeinsame Sache machen würde, zu einem aufgebrachten Mob zusammenzuschließen und das Verbot der NPD zu fordern.
Ich bin gegen die NPD und ich bin gegen ein NPD-Verbot. Meine antifaschistische Grundauffassung äußert sich im Gegensatz zu denen, die sich ansonsten links nennen, nicht in plakativ vorgetragenen Parolen oder gar dem Ruf nach dem autoritären Verbotsstaat. Ich finde auch, dass Faschismus durchaus eine Meinung ist und nicht zwingend ein Verbrechen. Auch wenn es um Nazis geht, will ich keine Bätzingisierung der Politik. Die mit dem Passauer Fall verbundene Debatte um einen neuerlichen Versuch, die NPD zu verbieten, passt gut zu meiner Argumentation gegen das NPD-Verbot.
Das Verbot einer Partei, auch wenn es ein Misthaufen wie die NPD ist, stellt einen besonders erheblichen, gravierenden und demokratisch bedenklichen Eingriff des Staates dar. Ein Parteienverbot ist ein besonders hässlicher Ausfluss des Autoritären. Immerhin sind die Hürden an ein Parteienverbot hoch. Nicht zu Unrecht scheiterte bereits ein Verbotsverfahren gegen die NPD, weil in der Partei zu viele V-Leute des Verfassungsschutzes agieren. Schon damals stellte sich die Frage, was von der NPD eigentlich übrig bleibt, wenn alle V-Leute abgezogen sind, da es wohl so viele sind, dass das Bundesverfassungsgericht zu der Auffassung kam, dass der Einfluss der staatlichen Schnüffler in der Partei enorm ist. Geändert hat sich seitdem an dieser Baustelle nichts.Darüber hinaus steht ein Parteienverbot immer in dem Verdacht, dass die regierenden Parteien sich einen missliebigen Konkurrenten nicht mittels des politischen Wettstreits, sondern per Verfahren vom Hals schaffen wollen. Wäre ich Mitglied einer regierenden Partei, würde ich nicht mit diesem Verdacht ins Bett gehen wollen.
Und hier liegt der Knackpunkt. Die Debatte um das Verbot der NPD, die sich an dem Attentat auf einen Polizisten fest macht, ist ansich schon höchst bedenklich, weil sie tagesaktuell und vor allem ohne konkrete Beweise geführt wird. Bisher ist es ja schlicht eine Vermutung, dass Nazis hinter dem Attentat stecken. Fraglich ist, ob es überhaupt ein geplanter Mordversuch war, weil die Täter ihre Tatwaffe ja nicht mitbrachten, sondern ein an der Haustüre liegendes Messer benutzten und dann kopflos zurückließen. Das hält aber kaum jemanden davon ab, den Hals aufzumachen, und nach einem Parteienverbot zu krähen.
Wenn ich mir anschaue, dass so leichtfertig Parteienverbote gefordert werden, wird mir Angst und Bange. Da kann man genauso gut Kinderschänder von einem aufgebrachten Mob lynchen lassen. Das Prinzip wäre das gleiche, weil nicht der Verstand das Handeln (bzw. das Sprechen und Fordern) leitet, sondern der Bauch oder das Gefühl. Wenn es aber um eine so sensible Frage wie die eines Parteienverbotes geht, hat sich das Gefühl gefälligst zurückzuhalten. Wer ansonsten emotionale Probleme hat, kann ja eine Lichterkette veranstalten.
Die verantwortungsvolle Debatte, die eine Mindestvoraussetzung wäre, um über ein Parteienverbot nachzudenken, kann ich hier nicht mal im Ansatz erkennen. Stattdessen erleben wir eine Hegemonie von reflexartigem Geplapper. Da bleibe ich lieber bei meiner Idee, mit Lepra infizierte Thor-Steinar-Shirts kostenlos zu verteilen. Was wir mit der oft antisemitisch durchsetzen und rassistischen Kultur mancher Stammtische machen, ist immer noch eine offene Frage. Ganz unabhängig von der NPD.

