Ein Video zur Demonstration am 11. Oktober in Berlin.
»Ich verabscheue Euch wegen Eurer Kleinkunst zutiefst«
Zudem sind die Städterin und der Städter wandelbare Wesen, was heißt, manche haben an ein und demselben Ort alle Stadtentwicklungsschritte mitgemacht, haben sich also selbst von der derben Ostproletin zur »bewussten Verbraucherin« herabdegradiert.
Der wunderbare Text “Avantgarde der Sanierung” in der Jungle beschreibt sehr schön, warum ich immer mehr auf Kriegsfuß mit meinem Stadtbezirk stehe. Und dit sag ich als einjeborener Berliner, Leule.
Lesen!
Oh nein!
Mein Sofa beginnt, auseinanderzufallen. Es hat nicht zufällig jemand eines übrig?
Schaut alle die Sat1-”Sozialschmarotzer”-Dokusoap “Gnadenlos gerecht”!
Derzeit regen sich alle über die Sat1-Dokusoap auf, die Außendienstmitarbeiter einer Sozialbehörde bei ihrer Arbeit mit den Klienten begleitet. Ich finde, dass man das unbedingt sehen muss.
Unbedingt. Nicht, weil ich der Auffassung bin, dass Arbeitslose uns die Haare vom Kopf fressen und mir mit den ganzen Luxuskarossen, die sie sich von ihren 345 351 Euro kaufen, den Parkplatz wegnehmen. Ich weiß, dass Hartz IV-Empfänger in der Sendung als “Sozial-Schmarotzer und Parasiten dargestellt” werden.
Trotzdem muss man das sehen. Obwohl ich finde, dass Stefan Niggemeier völlig zu Recht schreibt:
Das ist eine ebenso subtile wie wirkungsvolle Variation des alten Prinzips, dass es in jeder Gruppe einzelne Schwarze Schafe gibt. Bei Hartz-IV-Empfängern gilt offenbar das Umgekehrte: Es gibt auch einzelne Weiße Schafe.
Und Sat.1 feiert diese Aussage, die man wahlweise für eine Banalität oder eine Ungeheuerlichkeit halten kann (man teste sie in Variationen wie “Schließlich ist nicht jeder Schwule auch ein Pädophiler” oder “Schließlich ist nicht jeder Ausländer auch ein Krimineller”) noch als Ausdruck von Fairness und Gerechtigkeit.
Es fällt mir schwer, nicht hinzuzufügen: Soweit sind wir schon gekommen. Mit unserem Umgang mit den Bedürftigen in unserer Gesellschaft. Und mit dem Fernsehen.
(Quelle)
Die Entrechtung der Schwachen, der Armen, der Kranken in der Gesellschaft zeigt sich nicht nur daran, dass die unverletzliche Wohnung verletzlich wird, wenn man Hartz IV beantragen muss. Von Arbeitslosen wird erwartet, dass sie ihre Krankenakte aufblättern, ihre Leben offen legen, ins Kleinste Rechenschaft ablegen, um die staatlichen Almosen erlangen zu können. Sie müssen darlegen und rechtfertigen, mit wem sie wie und warum zusammenleben, das Amt schaut schon per Antragsformular unter die Bettdecke.
Diese Perversion macht Sat1 zu Entertainment. Ich finde, das muss man sehen. Weil man damit die Gelegenheit und das Werkzeug in die Hand bekommt, die Kamera gegen die Überwacher zu wenden.
Halina hat sich die Sendung angesehen und sieben Fälle von Rechtsbruch oder Absurdität aufgeschrieben:
Fall 2: Die Sozialfahnderin erklärt einer Bürgerin, dass sie bei jeder Bedarfsprüfung Hausbesuche machen. Klarer Rechtsbruch liebe Sozialfahnderin. Zunächst nämlich sollen alle anderen Möglichkeiten der Bedarfsklärung vorgenommen werden, bevor ein Hausbesuch stattfindet. Wie wäre es mit befragen, denn mit kontrollieren?
(Quelle)
Rechtsverstöße, die von der Sozialfahnderin vor laufender Kamera begangen werden, müssen dokumentiert werden und sie dürfen vor allem nicht folgenlos bleiben. Sendung für Sendung muss Buch geführt werden, müssen die Vorgänge ausgewertet werden. Und vor allem muss geklärt werden, ob und wie man gegen die Sozialfahnderin und ihre Behörde vorgehen kann. Das Amt muss von Protestnoten überschwemmt werden. Deshalb muss man diese Sendung sehen.
Rache für Big Brother im Kleinen. Wer einen Einstieg in das Thema Hartz IV und Datenschutz haben will, dem sei eine kleine Broschüre des Datenschutzbeauftragten von Schleswig-Holstein empfohlen. Man kann sie hier als pdf-Datei downloaden.
Keiner weiß nichts
Es ist immer wieder herrlich, in Protokollen anderer zu lesen. So konnte ich dem Protokoll der Landessprecherratssitzung eines gewissen Jugendverbandes folgendes finden:
Die GenossInnen in Schleswig-Holstein wollen irgendwelche Zelte bis November behalten. Keiner weiß, was für Zelte gemeint sind und warum die im November zelten wollen!
Herrlich, wenn sich Teenager wie Rentner-Genossen benehmen.
Ein klares 100.000 zu 0 für Berlin
Die sächsischen Genossinnen und Genossen waren gestern wieder sehr niedlich. Die Genossin A. war nämlich zunächst im Karl-Liebknecht-Haus zu einer total Web 2.0ishen Sitzung, um anschließend nach Trinkkumpaninnen und Trinkkumpanen zu krähen. Ein Wunsch, den sie einige Stunden später bereuen sollte. Denn neben der sächsischen Genossin A., die sich schon um 18 Uhr im Spätkauf an der Warschauer eine Bananenmilch kaufte, trafen sich auch noch ein weiterer Sachse, drei Berliner und ein Schwabe in einer Kneiüpe am Frankfurter Tor. Um das Drama abzukürzen: Während der erste Sachse schon gegen 22.00 Uhr im Trinkfeuer der Berliner fiel, überrundete ich die Genossin A. gegen 22.30 bereits zum dritten Mal. Nur eine Stunde später strich sie die Segel und wollte ganz dringend an die Frische Luft. Die Berliner haben einstweilen eine Runde Schnaps bestellt – zum Entsetzen der Sachsen.
Fazit: Ein klares 100.000 zu 0 für Berlin.
Merkel-Pioniere besuchen DIE LINKE

Ausriss: Screenshot www.junge-union.de
(adn) Fast verpasst: 13. August. Mauerbau-Jubiläum und Großkampftag der tapferen, aber nutzlosen Merkel-Pioniere der Jungen Union. Wie in jedem Jahr, besuchte das Kollektiv der Merkel-Pioniere die Parteizentrale der LINKEN und richtete die herzlichsten Grüße der Klasse an die Parteivorsitzenden und die fleißigen Werktätigen.
Zur Vorbereitung auf diesen großartigen Tag trafen sich die Merkel-Pioniere an vielen Wochenenden zu Subbotnik, um die Losungen der Arbeiterklasse auf Transparente zu malen:
Früher war ich Mauerschütze, heute wähle ich Links
oder
Freiheit statt Sozialismus
Ein großes Vergnügen. Hätte es werden können. Leider war es so, dass die schüchternen Pioniere der CDU nicht nur schüchtern, sondern zahlenmäßig auch sehr bescheiden waren. So bemerkte kaum jemand der Werktätigen im Karl-Liebknecht-Haus die Parade der Pioniere. Auch Passanten kamen nicht in den Genuss der Parade, weil ausgerecnet zum Zeitpunkt des Auflaufs Lieferwagen vor dem Haus standen und so die Sicht versperrten.
Aber die tapferen Merkel-Pioniere ließen sich nicht ins Bockshorn jagen und zogen weiter zum Verlagsgebäude des Zentralorgan Junge Welt, um dort ihr Treiben fortzusetzen.
Ich freue mich schon auf das nächste Jahr, wenn es bei der Jungen Union wieder heißt: Blut wird aus dem Monitor tropfen.
Hier werden BILD-Leser nachinformiert.
Am Samstag stand in der Bild-Zeitung:
Im ersten Moment befürchtete ich schon, dass jemand aus der LINKEN Unsinn geredet hat und Gelöbnisse jetzt auch toll findet. Aber ich konnte mich entspannen, als ich den Text gelesen hatte. Zitiert werden dort lediglich Friedbert Pflüger (CDU), Martin Lindner (FDP), Rainer Arnold (SPD), Elke Hoff (FDP) und der Joschka-Nachrücker Omid Nouripour. DIE LINKE fehlt also bei “alle Parteien”. Wieder mal sauber recherchiert. Jetzt will ich nicht, dass die BILD-Leser dumm sterben müssen. Als keinen Service hier zusammengefasst die Position der LINKEN zum Thema Bundeswehrgelöbnis vor dem Reichstag: “NEIN“.
Wenn richtige Zeitungen von “alle Parteien” sprechen, meinen sie meist die fünf im Bundestag vertretenen Parteien (was aber ansich auch schon eine falsche Formulierung wäre). “Alle Parteien” kann man aber auf keinen Fall schreiben, wenn nur vier Parteien eine Meinung vertreten. Und schon gar nicht, wenn nur einige mehr oder weniger unbedeutende Politiker dieser Parteien irgendwas in die Blöcke der BILD-Redaktion blubbern. Ende des Service-Teils für BILD-Leser.
Omid Nouripour von den Grünen begründet seine Begeisterung für das öffentliche Bundeswehr-Gelöbnis unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor dem Reichstag übrigens so:
Es ist bestimmt nicht falsch zu unterstreichen, dass die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist.
Das lässt mal wieder tief blicken.
D’OH
Da hat doch der Herr Schwaner angesichts des brennenden Reifendepots in Berlin den gleichen Gdanken gehabt wie ich.

