Innenpolitik, Bürgerrechte, Datenschutz, Medien
Mai 8th, 2008

Drehorgelwar

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Mein Büro liegt gegenüber dem Café Einstein und der US-Botschaft. Eigentlich kein schlechter Standort, zumal ich mir die Option offen halte, Lautsprecher ins Fenster zu stellen und die Amis fünf Mal am Tag mit einem Muezzin zu beschallen.

Der Standort hat aber auch Nachteile. Einer davon ist die Drehorgelmafia, die im Sommer immer dann auftaucht, wenn Touris im Einstein sitzen und sich abzocken lassen wollen. Einerseits vom Leierkastenmann, andererseits vom Einstein, wo die Bedienung ausgesucht unfreundlich und unfähig ist und wo das kleine Bier teurer ist als anderswo ein großes.

Trotzdem saß auch ich neulich im Einstein, weil es was zu feiern gab (wozu Bier nötig war), aber dafür wenig Zeit zur Verfügung stand. Der Leierkastenmann tauchte auf und fing an zu leiern. “Das ist die Berliner Luft”. Ein Kotzprogramm. Kurz darauf kam ein weiterer Musikant mit einer Quetschkommode hinzu und spielte schüchtern ein paar Akkorde. Der Leierkastenmann funkelte den Quetschkommodenmann böse an. Der wiederum fühlte sich dadurch motiviert, fing an zu spielen und wandelte vor dem Einstein auf und ab. Jetzt wurde es dem Leierkastenmann zu bunt. Er ließ den Leierkasten stehen, stürmte auf dem Quetschkommodenmann zu, der nicht schnell genug das Weite suchen konnte, schnappte ihn am Kragen und schob ihn laut fluchend auf die andere Seite der Straße.

Meine Hoffnung, dass die beiden anfangen, sich wie die Kesselflicker zu prügeln, ging leider nicht in Erfüllung. Deshalb muss ich jetzt durch die geöffneten Fenster alle halbe Stunde das unsägliche Gedudel des Leierkastenmanns hören. Und selbst wenn es diesen Leierkastenmann nicht gäbe, dann würde die Leierkastenmafia sicher schnell für Nachschub sorgen.

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