Nachtrag zur gestrigen Gysi-Debatte im Bundestag
Allzuviel habe ich eigentlich gar nicht mehr zu sagen, nachdem ich – ausgerechnet – dem Kommentar in der FAZ gesehen habe:
(…) Gysi machte ein Eingeständnis – nicht das geforderte der Stasi-Mitarbeit, sondern das der SED-Mitarbeit. Es ist merkwürdig, dass keiner der folgenden Redner dies zu bewerten wusste. Doch hat Gysi wohl recht, dass er mit der Spitze des Regimes – welche die Stasi eben nicht war – verbandelt war, so wie es dem Sohn eines prominenten Staatssekretärs anstand. Und es ist plausibel, wenn er auf die Rivalität zwischen dem Apparat des Zentralkomitees der SED und dem Stasi-Apparat verweist, um den Vorwurf seiner Stasi-Mitarbeit zu bestreiten. (…)
Die anderen Parteien wollen einstweilen sich zu Lautsprechern von Opfern des SED-Regimes aufspielen und ignorieren Verlautbarungen aus diesen Kreisen:
Havemanns Sohn Florian würdigte die Arbeit Gysis als Anwalt für seinen Vater. «Unabhängig von der Frage, ob Herr Gysi IM war, was ich nicht beurteilen kann, hat er im Sinne unseres Vaters gehandelt», sagte Havemann der «Mitteldeutschen Zeitung» (Halle/Donnerstag). «Unser Vater wollte über Gregor Gysi eine Verbindung zur Parteiführung herstellen. Das ist ihm gelungen. Ab dem Zeitpunkt, als er Anwalt unseres Vaters war, hat es keinen Prozess mehr gegeben.» (Quelle: dpa, 29.05.08).
Oder
Der Sohn des DDR-Dissidenten Rudolf Bahro, Andrej Bahro, hat die Debatte am Mittwoch im Bundestag über angebliche Stasi-Verbindungen des Linke-Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi als Tribunal bezeichnet. Bahro sagte am Mittwoch der Deutschen Presse- Agentur dpa in Berlin: „Das war eine Tribunalveranstaltung, wie ich sie im Bundestag noch nicht gesehen habe.” Es sei eine der schlechtesten Stunden der Demokratie gewesen. (…)
Er persönlich zolle Gysi Respekt, sagte Bahro. Gysi hatte in der DDR als Anwalt auch den Politiker und Philosophen Rudolf Bahro vertreten, der 1979 in die Bundesrepublik abgeschoben worden war. (Quelle: dpa, 29.05.08).

