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Salamitaktik ist ein meist erfolgloses Manöver, das im Krisenmanagement oder auch bei der Gestaltung politischer Prozesse zur Anwendung kommt. So spricht man von Salamitaktik, wenn beispielsweise Politiker im Falle von Skandalen sozusagen scheibchenweise immer nur gerade das zugeben, was ohnehin nicht mehr zu bestreiten ist. Einen anderer Anwendungsfall von Salamitaktik ist die Gesetzgebung. Vor allem in innenpolitischen Zusammenhängen wird gern auf die Salamitaktik zurückgegriffen.
Heute hat Bundesjustizministerin Zypries eine neue Salami aufgeschnitten. Nach einem Bericht der “Süddeutschen Zeitung” von heute (leider nur in der Print-Ausgabe verfügbar) prüft die Bundesregierung derzeit, die anfallenden Mautdaten auch für die Verbrechensbekämpfung zu nutzen. Angesichts des Verfassungsgerichtsurteils zum massenhaften, anlassunabhängigen Scannen von KFZ-Kennzeichen ist das, nun ja, ein sehr selbstbewusstes Vorhaben, denn schließlich funktioniert das Mautsystem gerade mit dem Kennzeichenscanning und ist nichts anderes als dessen massenhafte und permanente Anwendung. Weil aber bisher die Verwendung der Mautdaten rigide auf Abrechnungszwecke beschränkt war, kann die Erhebung der Daten aber immerhin nicht als anlassunabhängig bezeichnet werden.
Genau da kommen wir zum Thema Salamitaktik zurück. Als das System eingeführt wurde, hatten Datenschützer und Bürgerrechtler beklagt, dass das massenhafte Scannen und Speichern von Kennzeichen ein Verstoß gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist. DieTechnik ermöglicht zudem die Anlage von massenhaften Bewegungsprofilen. Damals meinten die Verantwortlichen, dass man sich nicht so anstellen solle, denn schließlich würden die Daten lediglich für die Mautabrechnung und auf keinen Fall für andere Zwecke wie die Strafverfolgung verwendet. Ehrlich! Versprochen! Der gute Vorsatz hat nicht lange gehalten, die erste Scheibe Salami liegt schon auf der Stulle.
In der SZ lässt sich die Sprecherin der Justizministerin so zitieren:
Die Sprecherin von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hob hervor, dass es allein um LKW-Daten gehe, nicht um eine weitergehende Nutzung der Technik, um im Falle eines Schwerverbrechens auch Daten von anderen Fahrzeugen zu sammeln und an die Strafverfolgungsbehörden weiter zu leiten.
Das riecht nach einer zweiten Scheibe Salami. Wer soll denn glauben, dass diese Selbstbeschränkung länger als ein halbes Jahr hält? Keiner. Das wäre ja auch geradezu unsinnig.
Es bleibt daher dabei: Weil Schranken keinen Wert haben, weil sie immer wieder eingerissen werden, muss die massenhafte Erhebung, Speicherung und Verarbeitung von Daten ganz einfach verhindert werden. Nicht alles, was technisch möglich ist, muss man auch machen.
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Innenpolitik, Kennzeichenscanning, Mautdaten