Kochen mit Sarrazin: Ein Selbstversuch. Tag 3: Kapitulation
Das Frühstück hat ja noch geklappt. Aber beim Mittagessen musste ich kapitulieren. Es ist mir trotz intensiver Bemühungen nicht gelungen, das Mittagessen auch nur ansatzweise innerhalb des Rahmens zu realisieren. Das lag vor allem an drei Problemen:
1. Die Bratwurst für 38 Cent. Ich habe keine derart billige Bratwurst gefunden mit ausnahme der obskuren “Bratwurst grob zerkleinert, mediterran gewürzt” bei Lidl (und selbst die wäre noch etwas zu teuer gewesen).
2. Das Kartoffelpürree: Aufgrund der angespannten Situation, die sich durch die Bratwurst ergeben hätte, wäre der Kartoffelbrei weggefallen. Das liegt daran, dass die Zielmarke mit den gegebenen Mitteln nicht zu nehmen ist, zumal der Senator eine wichtige Zutat, nämlich die Milch, nicht angegeben und entsprechend nicht kalkuliert hat.
3. Die erwähnte Tomatensauce von Tag 1 muss dringend überdringend gegessen werden, weil sie sonst nicht mehr zu verzehren ist. Damit fällt aber das Gesamtkonstrukt in sich zusammen, weil entweder die Ernährung nicht mehr abwechslungsreich sein kann oder andernfalls die Zielmarke der Ausgaben insgesamt zangsläufig verfehlt werden muss, weil angesichts der knappen Kalkulation es schlicht nicht drin ist, Essen wegzuwerfen. Blöd ist daher auch, dass mein Eisfach kein Eisfach ist, sondern lediglich ein besserer Eiswürfelbehälter.
Das Problem setzt sich beim Abendessen und allen weiteren Mahlzeiten, die folgen könnten munter fort: Zu Abendessen muss ich langsam an die Suppe (Tag 2) ran. Spätestens am Folgettag bekommt der restliche Leberkäse von Tag 1 (igitt) Beine. An den übrig gebliebenen Kartoffelsalat, den Krautsalat usw. will ich gar nicht erst denken.
Eins hat sich gezeigt: Es ist möglich, für weit weniger als 4,25 Euro täglich was essbares auf den Tisch zu zaubern. Das – so muss ich zugeben – hatte ich so nicht erwartet. Das Ziel der Maßnahme war es jedoch, eine ausgewogene, gesunde und abwechslungsreiche Kost für einen Einpersonenhaushalt zu generieren. Genau daran scheitern die Berechnungen des Senators. Entweder bleibt man im Kostenrahmen, dann kann aber von “abwechslungsreich” oder “ausgewogen” keine Rede sein. Oder man versucht eine abwechslungsreiche Ernährung, dann jedoch wird der Kostenrahmen erheblich gesprengt.
Von gesunder Nahrung kann ohnehin keine Rede sein. Entweder habe ich deutlich zu viel oder deutlich zu wenig Kalorien zu mir genommen, was so oder so dazu führte, dass ich mit Heißhunger auf alles mögliche, knurrendem Magen oder Blähungen zu kämpfen hatte. Getränke – außer durchschnittlich 133 ml Saft pro Tag – hat der Senator nicht vorgesehen. Frisches Obst und Gemüse war viel zu gering portioniert. Bei den restlichen Lebensmitteln musste in fast jedem Fall der billigste Schund gekauft werden, was angesichts der zahlreichen Lebensmittelskandale, Gammelfleischfälle und der Debatte um adipöse Menschen alles andere als gesund und sinnvoll sein kann.
Wie geht es weiter? Ich werde die Ergebnisse des Selbstversuches, mit dem Speiseplan von Thilo Sarrazin drei Tage für je 4,25 Euro durchzukommen, zusammenfassen und an den Senator schicken und ihn gleichzeitig um eine Stellungnahme bitten. Der Zusammenfassung werde ich die Kassenzettel beilegen. Vielleicht hat er ja eine Einkafsquelle, die ich nicht kenne. Im Zuge der Auswertung des Test werde ich eine Ernährungsberaterin einbeziehen, der ich den Fall vorgelegt habe. Dann werden wir sicher sehen, wie gesund und vollwertig der Speiseplan ist.
Ausgehend davon, dass der Regelsatz schon an der Grundversorgung, nämlich der Ernährung, scheitert, kann sich jeder vorstellen, welche Folgen Hartz IV für gesellschaftliche, kulturelle oder sonstige Beteiligung am Leben hat.
To be continued.

Denkfehler
Bei der ganzen Rechnerei wird übersehen, daß die Zubereitung der Mahlzeiten Energie kostet. Der Vorschlag von Sarazzin ist eine Unverschämtheit sondergleichen.
Der Mann lebt von unseren Steuergeldern!
Wann wird das Scherbengericht wieder eingeführt?
In dieser vertrollten Blogwiese zeigt sich ja die Zerrissenheit in diesem Lande. Vor 20 oder 30 Jahren wären solche Diskussionen wohl unmöglich gewesen. Aber hier sieht man, wie der Faschismus in neuem Gewande wieder Einzug erhält. Wenn ich schon Begriffe wie “Leistungsträger” höre oder lese, wie hier Menschen in “nützlich” und “unnütz” klassifiziert werden. Die Frisörin oder der Kassierer bei Lidl wird von solchen Leuten übrigens nie als Leistungsträger oder gar als besonders nützlich angesehen.
Aber Torsten, falls Du hier noch mitliest: Ich würde gerne mal wissen, welchem Gewerbe Du nachgehst. Stell dir mal vor, Du als Kleinunternehmer wärst jetzt nicht im beschaulichen Bayern, sondern mitten in Berlin. Da Du besonders auf die Kaufkraft der Menschen angewiesen bist ist doch die Frage, was für Dich besser wäre: Hunderttausende, die von den jetzigen Hartz IV Regelsätzen leben müssen oder viele Menschen, die trotz Arbeitslosigkeit die Möglichkeit haben einen bescheidenen Konsum zu treiben. Das alles sind nämlich Dinge die die Möchtegernwirtschaftsexperten von CDU/CSU nie kapiert haben. Dass es nämlich auch wichtig ist, Nachfrage zu erzeugen. In dem Maße, wie die Fähigkeit von Millionen Menschen sinkt, am öffentlichen Leben teilzunehmen und zu konsumieren, erodiert auch DEINE Existenzgrundlage.
Sorry, ich mache (fast) nur B2B. Da ist aber ein Denkfehler – wenn ich Löhne und Transferleistungen erhöhe, dann steigen auch die Preise und die Inflation galoppiert. Und was habt Ihr dann gewonnen?
deswegen haben die usa, frankreich, gb und skandinavien auch voll die hyperinflation, und in den entwicklungs/schwellenländern ist alles noch viel schlimmer…
Nicht nur die totale Überwachung kommt, weil das Volk zu träge ist, etwas dagegen zu tun. Jene, die viel zu verlieren haben, bereiten sich auch schon auf schwere Ausschreitungen und den Bürgerkrieg vor.
Zur Zeit werden Waffen entwickelt bzw. existieren bereits, die Gegnern schlimmste Schmerzen zufügen und auf diese Weise lahmlegen. Diese Angegriffenen haben nach solch einem Angriff keine Verwundungen. Damit ist auch nicht nachweisbar, dass sie (Demonstranten ebenso wie Tatverdächtige und natürlich auch Kriminelle) angegriffen wurden. Sie können klagen, so viel sie wollen, sie kämen nicht zu ihrem Recht, weil keine Beweise erbracht werden können.
nachzulesen unter anderem hier:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/630484/
http://www.imi-online.de/download/IMI-Studie-2007-08.pdf
Mein Kommentar oben war eine Antwort auf Ampferwichtels Eintrag.
@ culwathwen:
Niemand hält Dich hier fest.
@ Dennis:
Möchtegernwirtschaftsexperten sind solche Typen wie Kohl, Diepgen oder Lafontaine, die derartige Schulden machen, daß nach ihrer Regierungszeit Heulen und Zähneknirschen herrscht.
Bayern dagegen hat sich von einem armen Agrarland zu einem der reichsten Länder innerhalb Deutschlands hochgearbeitet.
Auch Sarrazin scheint einen guten Job zu machen, sein Haushalt kann sich sehen lassen.
Gerade auch an dieser Geschichte kann man deutlich sehen, daß er ein kluger Kopf ist, der seine Zahlen verifiziert.
Also hört auf zu jammern und stellt Euch auf Eure eigenen Füße. Weder der Staat, noch ein Unternehmer noch die Gesellschaft kann Euch helfen, wenn ihr nicht selbst etwas tut.
Wer hat meinen Kommentar gestohlen?
@Karl:
“Bayern dagegen hat sich von einem armen Agrarland zu einem der reichsten Länder innerhalb Deutschlands hochgearbeitet.”
Wer denken kann, ist klar im Vorteil…
http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A4nderfinanzausgleich#Finanzvolumen
Meine Eltern haben den Bayern das geborgt, was sie heute nur so wiederwillig zurückführen. Wer sich Geld borgt um aus einer Alm eine Fabrik zu machen, der sollte später nicht rumtönen, er hätte das ganz allein geschaft…
Also mal schön bescheiden bleiben, da draussen auf der Alm…
Gruß
@michael
Bayern hat 3 Milliarden bekommen und 96-06 20 Milliarden ausbezahlt. Noch Fragen?
@Torsten:
JA:
Welches Zinsmodell hast Du bei deiner kleinen Rechnung verwendet? Oder dachtest Du etwa, dass hier ohne Verzinsung gearbeitet wurde?
Gruß
@ Michael Kostic
Schau doch mal zum Vergleich das Saarland an. Dort hat mein spezieller Freund Oskar regiert und derartige Schuldenberge angehäuft, daß nicht einmal der Länderfinanzausgleich hinreichte. Der Bund mußte eingreifen.
Schau Deine ganze Tabelle an, und Du wirst zugeben müssen, daß Bayern das einzige Land ist, das aus einer schlechten Ausgangsposition heraus etwas erreicht hat.
Wir haben zwar unsere Amigos hier, die sich immer mal wieder die Taschen vollstopfen. Aber sie wirtschaften so geschickt, daß auch für uns etwas übrig bleibt.
Das mag nicht der Idealzustand sein, aber es ist allemal besser, als die Schuldenberge, die Lafontaine oder Kohl uns und unseren Nachkommen hinterlassen haben, und es ist auch besser als die Steuererhöhungspolitk des Merkels.
@Mark,
ich finde deinen Selbstversuch prima, hab mich köstlich amüsiert
@Karl
“Auch Sarrazin scheint einen guten Job zu machen, sein Haushalt kann sich sehen lassen.”
finanztechnisch vielleicht…
sozial – nein.
Sarrazin saniert seinen “Haushalt” auf Kosten der Berliner und der Stadt.
Und vor allem seiner Angestellten, die seit 5 Jahren auf 8 – 12 % Prozent ihres Gehaltes verzichten (gleichzeitig die gleiche Prozentzahl weniger Arbeitszeit, aber die gleiche Menge Arbeit in der kürzeren Zeit schaffen müssen), dazu kommt die Inflationsrate der letzten 5 Jahre (wie bekannt durch die extremen Preissteigerungen).
Der rot-rote Senat ist mittlerweile unsozialer (schwärzer als schwarz)…
@Karl:
Ich hab nicht behauptet das es irgendwie unfair wäre, dass Bayern es schlussendlich geschafft hat sich seine Position zu sichern. Ich habe meine Ausbildung in BW gemacht und lange in Bavaria gewirtschaftet. Aber darum ging es mir nicht.
Es ist doch simpel so, dass ich auch hier wieder lese das wir noch immer ein 16/16tel Land sind, und nicht eine geeinte Nation. Als es dem Land Bayern (und natürlich auch deren Bevölkerung) schlecht ging, war es eine Selbstverständlichkeit das geholfen wurde. Heute, wo es den anderen Ländern schlecht geht scheint das anders auszusehen…
Und mit welcher Begründung? Die Landespolitiker seien unfähig? Ja gut, selbst wenn dem so ist. Was soll die Bevölkerung dagegen unternehmen?
Klaus Wowereit hat einmal gesagt: „Es können nicht 3 Mio. Menschen von Dienstleistung leben“
Und nun? In Berlin existiert keine nennenswerte Industrie, der Forschungsstandort frist auch nur das Brot, was eure Betriebe nachher verwerten.
In einer Nation, sollten wenigstens die Bevölkerungen zusammenhalten. Doch nicht einmal das geschieht hier. In Bln. leben 600.000 Menschen unter der hiesigen Armutsgrenze, und davon gehen 300.000 auch noch 8 Std. täglich arbeiten. Das sollte selbst bis zu euch stinken. Vor allem deshalb, weil euch das was hier aktuell geschieht sonst auch bald trifft!
So gesehen, ist es ein blanker Akt des puren Egoismus, der Berliner Bevölkerung in diesen Dingen moralisch wie propagandistisch beizustehen, anstatt sie für ihr Elend auch noch direkt verantwortlich zu machen.
Und im übrigen:
Wenn Du nachweist wie sich ein junger Mensch (ohne Erbkapital) von € 5,20 die Bruttostd., bei 160 Std. im Monat, (selbst in Berlin) eine Existenz aufbauen soll, dann solltest Du dich zur Wahl als nächster Berliner Finanzsenator aufstellen lassen.
(Dabei solltest Du nicht vergessen das die Herren die solcherlei „Arbeitsplätze“ schaffen, mit der S-Klasse durch die Gegend kreuzen und große Sprüche klopfen, man könne ja auch zur Arbeit laufen, weil das die Fahrkarte spart.)
Menschen wie Sarrazin hetzen gegen eine Bevölkerungsgruppe die nicht einmal die Wahl hat. Das ist die Schweinerei, das ist verbrecherisch. Soll er doch erst einmal Arbeitsplätze schaffen, dann kann er auch die Klappe aufreißen.
Gruß
@Karl:
Es gibt auch andere Blickwinkel:
http://www.ciez.de/ciez-default/autor_mk_2.html
Gruß
@ Misses:
Es ist nicht unsozial, vernünftig zu wirtschaften. Unsozial ist es, die Infrastruktur zu Grunde zu richten und auf Kosten künftiger Generationen zu leben.
Die DDR tat ersteres, und Lafontaine tat letzteres.
@ Michael:
Ich habe auch nie behauptet, es sei nicht richtig, daß Bayern für die anderen Länder einsteht. Wir tun es widerwillig, weil niemand gerne zahlt, aber wir tun es, weil wir wissen, daß es notwendig ist.
Aber es stinkt uns gewaltig, wenn man uns deswegen noch ans Bein pinkeln will.
Übrigens ist es keineswegs so, daß die anderen Länder Bayern freudig unterstützten. Wir mußten uns seinerzeit anhören, daß wir Hinterwäldler seien und auf Kosten der Arbeiter im Ruhrgebiet mit unseren Kühen auf der Alm Ferien machten. Noch immer unterstellt man uns, wir seien rückständig, aber zum Zahlen sind wir gut genug.
Du schreibst, es gäbe in Berlin 600.000 Menschen, die unter der hiesigen Armutsgrenze lebten. Das Wort hiesige möchte ich besonders betont haben, denn hiesige Armut hat mit wirklicher Armut nicht das geringste zu tun. Wenn Du wissen willst, was Armut ist, mußt Du in anderen Regionen der Welt schauen. Unser Armut wäre dort unendlicher Reichtum.
Wir sorgen dafür, daß bei uns niemand Hunger leiden muß. Der Finanzsenator Sarrazin macht sich Gedanken darüber, ob man von der Unterstützung leben kann.
Statt diesen Versuch anzuerkennen, wird der Mann in den Dreck gezogen. Er hat auf völlig sachlicher Basis einen Speiseplan und eine Kalkulation dazu aufgestellt. Mehr nicht.
Du könntest nun ernährungswissenschaftliche Betrachtungen über die Qualität des Speiseplans anstellen, Alternativen aufzeigen, die Kalkulation verbessern, eine vernünftige Resteverwendung einplanen und vieles mehr.
Statt dessen beißt Du in die Hand, die Dich füttert.
@Karl:
Sarrazin ist ein legitimierter Verwalter des Kapitals welches ich in Form von Steuern entrichte. Er wird mich definitiv niemals füttern, schon weil das Kapital welches er verwalten soll, nicht das seine ist.
Aber lass mal, in Deutschland scheint das primitive Blockwartdenken halt niemals auszusterben.
Im übrigen muss ich nicht HIV beziehen um eine gesetzwidrige Handlung zur Anzeige zu bringen. Sarrazin hetzt das Volk auf (siehe diesen Blog, die Tagespresse und repräsentative Umfragen div. Institute) und das ist hierzulande strafbar (siehe § 130 StGB)!
In dieser Sache Leb wohl…
@Pat
>>(…und meiner Meinung nach schon gar nicht ermöglichen, dass jemand nun auch noch superausgewogen kochen kann)<>…und nachdem wir in Deutschland eine fette Rezession hinter uns haben u.a. weil es eben nicht gelungen ist, den einen oder anderen zu motivieren eine Arbeit aufzunehmen,<>Ich zahle gern meine Steuern und in die Sozialkassen ein, aber auch nur solange ich das Gefühl habe, dass mit diesem Geld sparsam umgegangen wird<<
Wenn sie vielleicht mal über ihren, anscheinend sehr hohen Tellerrand, hinausschauen würden, müsste sie eigentlich dieses Gefühl ziemlich schnell verlassen!
Aber ganz sicher nicht aus den von ihnen angeführten Gründen!!!
hi,wenn du dem das vorlegst- frage ihn doch mal bitte nach folgendem:
essenstisch,mutter deckt,papa und mama bekommen ne ganze bratwurst und der junior “nur” ne halbe.
wachstum?!
was ist wenn ich “meine” wurst an den junior “abgebe”?bereichert er sich an mir und hat “so ” einen “geldwerten” halben-bratwurst-vorteil?
stark erinnert mich dem seinen plan an krankenhaus frass..wobei das teilweise besser ist als dem seinen plan!
lg
In meiner Region sagt man in solchen Fällen:
Wenn Dir das nicht passt, friß Hundsfotzen. Ist auch Fleisch, nur kein Schweinerns.
@Mark
Ne wa? Nichts und niemand hält mich, nicht meine Familie, mein Partner, meine Heimat…nichts…du scheinst mich ja besser zu kennen als ich mich selber…mann, mann…echt erstaunlich.
Is schon geil, wie man es schafft in einem Hinweis auf Gegenbeispiele den Wunsch Auszuwandern hineindeuten kann. Mir sind solche Fähigkeiten nicht gegeben.
“Du schreibst, es gäbe in Berlin 600.000 Menschen, die unter der hiesigen Armutsgrenze lebten. Das Wort hiesige möchte ich besonders betont haben, denn hiesige Armut hat mit wirklicher Armut nicht das geringste zu tun. Wenn Du wissen willst, was Armut ist, mußt Du in anderen Regionen der Welt schauen. Unser Armut wäre dort unendlicher Reichtum.”
Wow, und das in dem Land, dass zum gefühlt 100.000sten Male Exportweltmeister geworden ist. Man muss sich net immer nach unten orientieren, besser wäre es sich nach oben respektive nach vorne zu orientieren, das wäre nämlich die beste Grundlage für Fortschritt und Weiterentwicklung. Zu sagen, anderen gehts viel schlimmer, uns gehts gut, lasst uns nichts mehr machen und relaxen, führt dazu, dass es irgendwann uns schlechter geht…naja, Pech.
Abgesehen davon werden da auch Birnen mit Äpfeln verglichen. Armut hier und Armut da, das sind schonmal zwei verschiedene Schuhe.
ah sry, mark, der comment war an karl gerichtet
Du sagst, es sei anderswo besser, ich sage Dir, Du bist frei, Du kannst gehen. Was, bitteschön, verstehst Du daran nicht? Und warum tust Du es nicht?
Wenn ich einen Platz wüßte, an dem es mir erheblich besser ginge als hier, ich würde gehen.
“lasst uns nichts mehr machen und relaxen,” ist die Folge einer Überalimentierung.
Armut hat etwas mit Hunger zu tun, mit begründeter Existenzangst.
Ich zweifle nicht daran, daß auch hier einige Leute Angst haben. Es wird immer kranke oder debile Menschen geben, die mit der Welt nicht zurecht kommen. Aber ein Mensch, der seine fünf Sinne beisammen hat, muß hier keine Existenzangst haben.
Sarrazins Speiseplan mag seine Schwächen haben, aber die dahinterliegende Idee ist gut und richtig. Der Mann hat sich Gedanken zu diesem Thema gemacht, und das ist gut so. Er hat eine Diskussion angestoßen, und auch das ist gut so.
Bockmist ist die Häme und die Polemik, die er als Antwort bekommt. Eine konstruktive Kritik hätte eine Verhandlungsbasis erbringen können.
Hallo,
ich habe das als Kommentar nicht reinbekommen.
Vielleicht magst Du das veröffenlichen – oderr nicht – .
******
Achtung: Satire(?)
Ich bin sog. Ur-Berliner, Bj. 65, lebte im wesentlichen immer im Kreis 36/61 oder 44.
Ich lernte von meiner Mutter (Bj. 45) einst ein Lied. Das ging etwa so:
“Wir sind Berliner Kinder//
und kaufen englisch ein//
wir haben tiefe Taschen//
das passt ne menge rein//”
(Kennt jemand das Lied?)
Nun wollte meine Mutter mich sicher nicht zum Kriminellen erziehen, aber in diesem
Zusammenhang möchte ich den Sebstversuch um etwas bereichern.
_Vorbereitungen:_
* Ein grosser Rucksack,
möglichst “selstfaltend”, dh. im leeren Zustand ist das
Füllvermögen nicht wirklich zu erkennen. Merke: Schwarz trägt nicht auf!
Ich benutze eine Modell “M*ltec”, das auch die Schweizer Armee verwendet.
Meinen letzten habe ich Manteuffel Ecke Waldemar in einem “Army”(?) Laden für
35€ geholt.
* Ein kleiner Rucksack, unauffällig, selbstfaltend ist okay, aber kein Muss.
+ Ein möglichst leichter, fester Behälter für A4- Dokumente
Zum Thema Körperhyäne:
- Dinge wie Zahnpasta, Seife, Duschgel, Handtücher usw. finden Sie eigentlich
in jedem öffentlichen Krankenhaus.
Vorgehensweise:
Gehen Sie während der Besuchszeiten in ein beliebiges Mehrbettzimmer.
(Je mehr Betten das Zimmer bereitstellt, desdo weniger wird sich jemand über
den Besuch der nichtanwesenden Bettnachbarin freuen.)
Weisen Sie auf ein fehlende Medikament hin und verschaffen Sie sich Zugang zur
Patiententoilette. Benutzen Sie Ihren kleinen Rucksack zur Beweisaufnahme von
sozialen Härten in öffentlichen Krankenhäusern (“Im Stichprobenhaften Versuch konnte
nachgewiesen werden, das Patienten Körperpflegemittel unterschlagen wurden”)
Treten Sie Toilettenpapierrollen immer in der Mitte zusammen, das Volumen verkleinert
sich davon. Stellen Sie keine benutzen Zahbürsten sicher!
Leser mit Zahnprothesen suchen in diesem Zusammenhang eher die Geriatrie-Staion auf.
Anmerkung: Sichern Sie Toilettenpapier immer nur in (privat)Patienten-WCs,
vermeiden Sie das billige Papier in Besuchertoiletten auf den grossen Rollen.
Aussnahme hier: Die Toileten auf dem AA Berlin Kreuzberg-Friedrichsding,
da gehe ich nur mit dem M*ltec hin. Da passen locker zusammengetretene 8 Rollen rein.
Zum Thema technisches Verbrauchsmaterial:
- Ermuntern Sie beim nächsten besuch des AA unbedingt eine Kopi von Ihren
Unterlagen zu machen. Sie muss dafür erst über den Gang in ein anderes Zimmer.
Sichern Sie während sieser Zeit unbedingt überflüssiges lerres A4 Papier.
Nutzen Sie Ihren Behälter.
Greifen Sie -falls passend- auch den Toner ab. Ihre Sachbearbeiterin wird es als
technische Störung hinnehmen und das neue Jobangebot kann man Ihnen auch nicht zustellen!
Teil 2 in Kürze (wenn Du möchtest):
Die Essenausgabe …
******
Gruss
Thomas
Nochmal zum Thema Leitungswasser Trinken http://www.hna.de/kasselsolo/00_20080220115200_Uran_in_Kassels_Wasser.html
“Du sagst, es sei anderswo besser, ich sage Dir, Du bist frei, Du kannst gehen. Was, bitteschön, verstehst Du daran nicht? Und warum tust Du es nicht?
Wenn ich einen Platz wüßte, an dem es mir erheblich besser ginge als hier, ich würde gehen.”
Tja, so frei ist man dann leider doch nicht. Das will ich nicht erklären, denn die Gründe weißt Du sicher selbst und solltest sie Dir eingestehen, auch wenn dann die Argumentation hier nicht mehr zieht.
“Armut hat etwas mit Hunger zu tun, mit begründeter Existenzangst.”
Ach, Hunger ist längst nicht das einzige, was mit Existenzangst zu tun hat. Ein gutes soziales Umfeld ist mindestens genauso Lebenswichtig und davon mangelt es in Deutschland doch gewaltig, kein wunder, dass es hier so viele Neurosen, Psychosen und Depressionen gibt.
“Ich zweifle nicht daran, daß auch hier einige Leute Angst haben. Es wird immer kranke oder debile Menschen geben, die mit der Welt nicht zurecht kommen. Aber ein Mensch, der seine fünf Sinne beisammen hat, muß hier keine Existenzangst haben.”
Doch, gerade diese Menschen müssen es, weil diese Gesellschaft ihnen nichts bietet. Wem seine Sinne und sein Verstand eh schon verkümmert sind, der kommt hier klar, weil er in diesem stumpfen System einfach mitmachen kann.
Deswegen ist es z.B. auch gewollt, dass das Bildungsniveau nicht für alle so hoch ist.
“Sarrazins Speiseplan mag seine Schwächen haben, aber die dahinterliegende Idee ist gut und richtig. Der Mann hat sich Gedanken zu diesem Thema gemacht, und das ist gut so. Er hat eine Diskussion angestoßen, und auch das ist gut so.”
Der Mann macht sich die falschen Gedanken dazu.
Der richtige Gedanke wäre: Kann jeder Mensch versorgt werden?
Wenn ja, wie erreicht man das, wenn nein, wie kann man dafür sorgen, dass es so wird. Alles andere ist ideologischer Bullshit und ich bin nunmal Realist, weil es einfach nichts bringt, die ganze Zeit in einer Traumwelt zu leben, wie es der Großteil der Menschen in der “zivilisierten” Welt tun.
“Bockmist ist die Häme und die Polemik, die er als Antwort bekommt. Eine konstruktive Kritik hätte eine Verhandlungsbasis erbringen können.”
Bitte, das von mir war gerade konstruktiv, nur wird das keinen interessieren, weil es gar nicht darum geht eine Lösung für irgendwelche Probleme zu finden, sondern nur um Selbstdarstellung und Rechthaberei, das ist alles, was die Politik ausmacht, völlig egal, in welche Partei man guckt.
Dirk, (beitrag: »Leute, ich muss mal sagen das…«)
Was beschwerst Du Dich? Klar, als als hartz4ler würdest Du anstatt 525 ganze 545 euro erhalten. Aber ich glaube, Du mußt Dich deshalb nicht grämen, diese »gehaltserhöhung« erwartet Dich noch früh genug.
Wenn Du auf handy, kiffen und party verzichten würdest, hättest Du viel mehr geld zur verfügung und könntest Dir anstatt der mensa gelegentlich ein gediegenes restaurant leisten. Du bist als student privilegiert, andere junge menschen werden trotz gutem bildungsabschluß von einer beschäftigungsmaßnahme in die nächste geschoben – und können sich glücklich schätzen, wenn sie bloß den bahnhofsvorplatz fegen müssen und nicht dazu gezwungen werden, sich bei der bundeswehr für vier jahre zu verpflichten, mit absoluter flexibilität und einsatzbereitschaft, sich in Afghanistan oder sonstwo verheizen zu lassen.
Sicherlich kann man von kartoffeln mit butter leben, das alg2 ist aber nicht dafür gedacht, menschen zu ernähren, die gerade einen weltkrieg hinter sich haben und in einem land leben, in dem mangelernährung auf der tagesordnung steht, alg2 ist für menschen, die aus der überflußgesellschaft eines der reichsten länder der erde ausgegrenzt werden. Es soll deren grundbedarf decken, was es aber nicht tut.
Als junger mensch/student hat man andere bedürfnisse. Menschen, die ihr leben lang gearbeitet haben, verdienen eine andere behandlung, als dafür getreten und verhöhnt zu werden, daß man sie jetzt überflüssig gemacht hat. Und wer als junger mensch schon ins abseits geschoben wurde, nie eine chance hatte, etwas aus seinem leben zu machen, verdient auch solidarität!
Bin ich die einzige, die bei Sarrazin’ geschwafel an Marie Antoinette denkt?
Ich sehe es schon, wie 10.000.000 Hartz IVer nach Berlin marschieren …
Hi @all,
habe mir mal alles hier durchgelesen. Wenn das Thema Armut nicht so traurig wäre, könnte ich meinen “Kochen nach Sarrazin” und die Kommentare hier wären Commedy.
Mir bleiben zwar von einem € Einkommen nur etwa 34 Cents nach Steuer und BfA Sondersteuer aber über Sparen bei Lebensmitteln habe ich zum Glück noch keinen Gedanken verschwenden müssen.
Ok, meine Weine kosten auch nur 10 -20 € / Flasche, der Brandy etwa € 40,-.
Das sind keine Spitzenprodukte aber ich würde mich schämen (rot im Gesicht beim morgentlichen Rasieren Torsten), wenn ich HartzIV-Leistungsbeziehern vorrechnen würde wie ausreichend sie sich von € 4,25 / Tag ernähren könnten und Armut sei nur, wenn eine Mutter von drei Kindern eins verhungern lassen müsse, um die beiden anderen durchzubringen wie im Steuer- und Abgabenparadies Haiti.
Aber andererseits auch selbst Schuld, erst poppen und dann… unverantwortlich und böse, oder was würde CSUgewinnt sagen?
Klar das Sozialsystem in De ist antiquiert und stammt aus dem Ständestaat des 19. Jahrhunderts. Jeder Stand für sich, Gott und Kaiser für alle.
Man vergleiche nur mal den BfA Rentner mit dem, der seine Rente vom Versorgungswerk der Rechsanwälte bezieht, weil er sich aus dem BfA-System ausklinken durfte.
Also raus mit der Heckenschere. In Dk z.B. könnte ich bei meinem Einkommen von einem € etwa 50 Cents behalten gepaart mit einer Altersversorgung von 70 – 90 % des Nettogehalts und das nicht erst mit 67.
Also noch viel Spaß mit Deutschland,
¿Puritaner?
Disclaimer: Ich will nicht auswandern! Ich würde gern Bewegung und Ideen sehen. Regiert werden ist teuer genug. Mehr Leistung bitte.
toll sven,
hast du gut auf den punkt gebracht. bin seit acht jahren schon zu alt und jetzt mit fünfzig und x- fache scheinsammlungen und qualifizierungen werde ich nicht nur kriminalisiert, beschimpft und verhöhnt, sondern auch noch von hirnträgern die offenbar eine höchst wirksame hirnzellendiät machen verarscht. denn ich habe tatsächlich es noch geschafft, mir einen pachtgarten, der vorher eine industriebrache war in ein kleines paradies zu verwandeln und das in 14 monaten. weiterhin habe ich mir ein 3000qm grundstück in thüringen ersteigert, wofür ich circa 1950 euro in 20 mon. zahlte. ach ja, einen fiat chinquecento habe ich auch gehabt, doch jetzt verkauft und mir einen neuen motorroller ca.890euro dafür gekauft. inzwischen bin ich mit meinem grundstück in thüringen in der rückabwicklung, denn es stellte sich heraus, das eine zweite flurkarte existierte und die wies nur einen 2km langen weg aus. na ja, werde ich mir wohl was anderes kaufen, vielleicht ein haus ? also wer ein wirtschaftlicher vollidiot ist, wie sarazin, der wird auch mit tausenden monatseinkünften nichts gebacken kriegen, doch es gibt auch die anderen!!! mit freundlichem gruß markus
Torsten, erhalt Dir Deinen Mut, um das zu kämpfen, was Dir wichtig ist; um das anzuprangern, was Dich stört; um das Rauszuposaunen, was Deinem Innersten zuwider ist; wie immer das auch ausschaut.
Es gäbe viel zu sagen zu all den Beiträgen, doch … Euere gegenseitigen pauschalierten Angriffe und Urteile sind nichts für mich …
In Berlin gibt es keine Studiengebühren.
Was war anderes zu erwarten?
Habe ich einen 2+x-Personen-Haushalt,
wird es sicherlich nicht einfach, die “Sarrazin-Grenzen” langfristig zu befolgen.
Ist meine Haushaltung, sorry, “Bedarfsgemeinschaft” tut das heissen, unterhalb der Standard-Kleinstfamilie angesiedelt, dann Gratulation zur Arschlochkarte.
Was mich wirklich interessieren würde: Wie und wovon lebt ein Sarraziner ab Tag 4? Wen’s wirklich trifft, der muss davon schliesslich Richtung Sankt-Nimmerleins-Tag Einkaufsplanung betreiben.
Sollte ich damit einem der 82 Vorkommentatoren auf die Füße getrampelt sein bzw. unvorhergesehen widergekäut haben:
Für letzteres bitte ich darum, entschuldigt zu werden.
Diese Politiker-Sprüche erinnern mich an die Kaiserin Marie Antoinette, die meinte, die Leute sollen doch Kuchen essen, wenn sie kein Brot haben. Voll den Durchblick haben die.
Schade… zu spät entdeckt – nichtsdestotrotz – einige Kommentare hier sprechen wirklich für sich.
Zitat: Es heißt: “Die Menschenwürde ist unantastbar” und nicht: “Die Würde der Werktätigen” ist unantastbar. – Zitat Ende
… sehr zutreffend, denn Herr Sarrazin wurde längst eingeholt von vielen schweigenden Befürwortern, dies allerdings hatten wir schon einmal so ähnlich – wenn auch in einer anderen “Angelegenheit”. Viel Vergnügen in der Wirklichkeit und PS.
… ein Jahr ALG ist schnell vorbei, dann kommt die Stunde der Wahrheit und man sieht sich.