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Februar 9th, 2008

Kochen mit Sarrazin: Ein Selbstversuch. Tag 1: Einkauf und Frühstück

Heute geht es also los. Berlins Finanzsenator meint, dass man mit dem Hartz IV-Regelsatz von 4,25 Euro am Tag lecker, gesund, abwechslungsreich und ausgewogen essen kann. Ich versuche das.

Einen Aldi habe ich in meiner Nachbarschaft nicht gefunden, also musste es ein Lidl tun. Normalerweise gehe ich in diesem Etablissement nicht einkaufen, weil die ihre Mitarbeiter etwa so schlecht behandeln wie Sarrazin die Arbeitslosen.

Hier findet Thilos Speiseplan

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Bild: Einkauf für Tag 1 und 2

Ich habe für Tag 1 und Tag 2 eingekauft: Brötchen, Marmelade, Käse, Apfel, Saft, Tee, Spaghetti Bolognese, Kaffee, Joghurt, Gurke, Leberkäse und Kartoffelsalat stehen heute auf meinem Speiseplan. Für den Einkauf der ersten beiden Tage habe ich 19,89 Euro ausgegeben. Dabei habe ich stets die Produkte ausgewählt, die am günstigsten sind, um im Rahmen der Berechnungen des Senators bleiben zu können. Ein Einzelfällen habe ich ein teureres Produkt genommen, wenn es unter dem Strich billiger ist. Beispiel Hackfleisch: Ich habe die Ekel-Variante aus der Tiefkühltheke gekauft, weil ich damit eine Hälfte wieder einfrieren kann. Die “frische” Variante aus der Kühltheke wäre 30 Cent billiger gewesen. Jedoch hätte ich dann unweigerlich 400 Gramm wegwerfen müssen. Andernfalls hätte ich morgen den ganzen Tag Buletten essen müssen, was Sarrazin aber nicht vorsieht. Zu dem Einkauf müsste eigentlich noch Kaffee, Öl, Gewürze und Butter hinzugerechnet werden. Davon habe ich aber jeweils noch genug und habe daher zu Thilos Gunsten auf den Kauf verzichtet.

image_160.jpgBeim Frühstück bekam ich Probleme. Ich habe zu sehr mit der Marmelade geaast. 25 Gramm für 3 Brötchenhälften reichen nicht. Ich hätte mindestens ein mal Marmelade auf eine Hälfte streichen müssen, um sodann den anderen Deckel draufzuklappen. Alternative: Marmelade in homöopathischen Mengen auftragen. Aber ich glaube, dass ich trotzdem im Rahmen geblieben bin. Ich habe 1,39 Euro für gummiartigen Käseaufschnitt bezahlt und dafür sieben Scheiben bekommen. Das sind 20 Cent pro Scheibe, Thilo gönnt mir aber 25 Cent (da wär vielleicht sogar ein weniger gummiartiger Käse drin gewesen). Wenn da nicht der Apfel wäre. 24 Cent darf ich ausgeben, 49 Cent hat der billigste gekostet. Das zerbröselt die Frühstückskalkulation, auch wenn ich für den Beutel Kräutertee, den ich getrunken habe, 0,5 Cent weniger gezahlt habe, als Sarrazin errechnet hat. Der etwas ominöse Apfelsaft hingegen lieferte eine 100prozentige Planübererfüllung.

Bilanz:

  • Ich bin satt.
  • Ich habe anteilig 1,42 Euro ausgegeben (7 Cent mehr als Sarrazin errechnete)
  • Ich weiß jetzt, dass ich mit der Marmelade sparen muss und mir eigentlich keinen Apfel leisten kann

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12 Kommentare »

  1. [...] Bedarfsgemeinschaften liegt bei derzeit 13 543. Fast die Hälfte dieser Bedarfsgemeinschaften, die Arbeitslosengeld II beziehen, besteht aus einer Person. “Familienverbände” schlagen ebenfalls stark zu [...]

  2. [...] Bratwurst für 38 Cent gibt, und die Frage aller Frage – wie soll man die Marmelade abwiegen? Am ersten Tag des Selbstversuches war Mark einkaufen, nicht bei ALDI, der fand sich nicht in der Nähe – sondern im LIDL. Nach dem [...]

    Pingback von Hartz IV-Kochen und ein Selbstversuch | F!XMBR — Dienstag, 12. Februar 2008 @ 18:17
  3. Weiß man eigentlich, wo der Herr Sarrazin seine Gurken kauft? 30ct für eine halbe Gurke gibt es jedenfalls nicht bei Feinkost Albrecht.

    Kommentar von Robert B. — Mittwoch, 13. Februar 2008 @ 17:28
  4. Ich leide mit dir: Ekelhack ist wikrlich nicht nett – deswegen als Tipp: du könntest (nächstes mal) das frische kaufen, alles anbraten und dann 4/5 selber einfrieren. By the way: Bin gerade erst dabei zu lesen, was deine Erfahrungen sind – aber fands sofort super, als ich bei fixmbr von deinem Selbstversuch las! Gruß Marion

    Kommentar von Marion — Mittwoch, 13. Februar 2008 @ 17:56
  5. Frau kauft gerne das frische Hack und friert davon alles, was nicht sofort gebraucht wird, umgehend ein. Ob man(n) das auch kann?

    Kommentar von Zeitlos — Freitag, 15. Februar 2008 @ 21:01
  6. [...] versucht das mal und scheitert damit ziemlich [...]

    Pingback von Hunger - Citronengras — Samstag, 16. Februar 2008 @ 02:06
  7. Hallo Marion, hallo Zeitlos,
    Um hackfleisch einzufrieren benötigt man ein tiefkühlfach. Was macht man, wenn man keines hat?

    Das gleiche gilt natürlich auch für das ekelhack aus der tiefkühltruhe. Einfrieren kostet energie. Mir sind leute bekannt, die ihren kühlschrank aus energiespargründen stillgelegt haben. Wenn man an allem sparen muß, kommen irgenwann auch sachen dran, die man an sich für selbstverständlich hält.

    Was ich an diesem teil des »zirkus sarrazini« interessant finde, ist, daß man 125 g spaghetti zugestanden bekommt und insgesamt 300 g hackfleischsoße. Ich kenne die ernährungsgewohnheiten des herrn Sarrazin nicht, aber die meisten menschen essen nudeln mit soße, nicht umgekehrt. Auch fehlt der käse. Die wahrheit sieht so aus, daß wer sich billig ernähren möchte (oder vielmehr: muß) ein nudelfertiggericht für rund 60 cent kauft, das ekelhack wegläßt und den rest entweder im laufe des tages oder am nächsten tag kalt ißt.

    Getränke sind auf herrn Sarrazins speisekarte mangelware, aber was erwartet man von einem speiseplan, der (am zweiten tag der diät) ein glas tee als vollwertige zwischenmalzeit vorsieht?

    Kommentar von Mechthild Mühlstein — Freitag, 22. Februar 2008 @ 17:36
  8. Trinken? Wasser kommt doch wie Strom gewissermassen aus der Wand und kostet daher nix…

    Kommentar von reblaus — Mittwoch, 16. April 2008 @ 00:55
  9. [...] Bedarfsgemeinschaften liegt bei derzeit 13 543. Fast die Hälfte dieser Bedarfsgemeinschaften, die Arbeitslosengeld II beziehen, besteht aus einer [...]

  10. [...] Ich konnte es kaum glauben. Als ich eben zufällig bei denic geschaut habe, ob http://www.thilo-sarrazin.de registriert ist, kam tatsächlich die Meldung, dass die Domain noch zu haben ist. Ich könnt mich totlachen. http://www.thilo-sarrazin.de zeigt ab sofort auf das Sarrazin-Experiment. [...]

    Pingback von www.thilo-sarrazin.de | MARK SEIBERT:LOGBUCH — Donnerstag, 9. Oktober 2008 @ 21:50
  11. Leider verrät der werte Autor des Artikels nicht, wo er seine Gourmet Einkäufe tätigt und auf welcher abgelegenen Alm er wohnt.

    Aldi gibts eigentlich fast überall.
    Lidl scheint unter seinem Niveau zu sein.
    Ich habe bisher all meine Einkäufe bei Lidl überlebt. Es soll dort auch Käse geben, der nicht gummiartig ist.

    Bei Plus soll man die Hausmarke Marmelade 450g für 99cent gesichtet haben.

    Gut durchgebratene Ekel Bouletten sollen sich im Kühlschrank durchaus zwei Tage halten.
    Notfalls tut es auch mal ein gut durchgebratener Ekel Döner im Sonderangebot für 1,50€uro. Der ist so schön fettig, der reicht dann für den ganzen Tag.

    Ach ja, was ist denn aus der Politiker Kampagne geblieben: werft all eure Nokia Handys in die Tonne.
    Von wem war die noch gleich, Peter Struck?

    Kommentar von Fred — Sonntag, 16. November 2008 @ 02:10
  12. Ah, spannend!

    Allerdings ist es leider (oder viel mehr zum Glück!) sogar verfassungswiedrig so einen Speiseplan zu fordern.

    Die Verfassung beschützt nämlich ethische ernährungsbedingungen à la vegetarier/veganer. Tatsächlich kommt man so sogar um den Bund erum. Nun finde mir doch mal bitte Tofu, das in diese Preisklasse passt…. vielleicht selber pressen??

    Tja ausserdem wollte ich meinen vorkommentator nochmal wiedersprechen: er sagt doch wo er seine einkäufe tätigt: Wieder willen bei Lidl.

    “Einen Aldi habe ich in meiner Nachbarschaft nicht gefunden, also musste es ein Lidl tun.” (Zitat Zeile 1-2)

    Kommentar von Rick — Montag, 8. Dezember 2008 @ 19:16

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