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Kochen mit Sarrazin: Ein Selbstversuch. Tag 1: Einkauf und Frühstück

Heute geht es also los. Berlins Finanzsenator meint, dass man mit dem Hartz IV-Regelsatz von 4,25 Euro am Tag lecker, gesund, abwechslungsreich und ausgewogen essen kann. Ich versuche das.

Einen Aldi habe ich in meiner Nachbarschaft nicht gefunden, also musste es ein Lidl tun. Normalerweise gehe ich in diesem Etablissement nicht einkaufen, weil die ihre Mitarbeiter etwa so schlecht behandeln wie Sarrazin die Arbeitslosen.

Hier findet Thilos Speiseplan

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Bild: Einkauf für Tag 1 und 2

Ich habe für Tag 1 und Tag 2 eingekauft: Brötchen, Marmelade, Käse, Apfel, Saft, Tee, Spaghetti Bolognese, Kaffee, Joghurt, Gurke, Leberkäse und Kartoffelsalat stehen heute auf meinem Speiseplan. Für den Einkauf der ersten beiden Tage habe ich 19,89 Euro ausgegeben. Dabei habe ich stets die Produkte ausgewählt, die am günstigsten sind, um im Rahmen der Berechnungen des Senators bleiben zu können. Ein Einzelfällen habe ich ein teureres Produkt genommen, wenn es unter dem Strich billiger ist. Beispiel Hackfleisch: Ich habe die Ekel-Variante aus der Tiefkühltheke gekauft, weil ich damit eine Hälfte wieder einfrieren kann. Die “frische” Variante aus der Kühltheke wäre 30 Cent billiger gewesen. Jedoch hätte ich dann unweigerlich 400 Gramm wegwerfen müssen. Andernfalls hätte ich morgen den ganzen Tag Buletten essen müssen, was Sarrazin aber nicht vorsieht. Zu dem Einkauf müsste eigentlich noch Kaffee, Öl, Gewürze und Butter hinzugerechnet werden. Davon habe ich aber jeweils noch genug und habe daher zu Thilos Gunsten auf den Kauf verzichtet.

image_160.jpgBeim Frühstück bekam ich Probleme. Ich habe zu sehr mit der Marmelade geaast. 25 Gramm für 3 Brötchenhälften reichen nicht. Ich hätte mindestens ein mal Marmelade auf eine Hälfte streichen müssen, um sodann den anderen Deckel draufzuklappen. Alternative: Marmelade in homöopathischen Mengen auftragen. Aber ich glaube, dass ich trotzdem im Rahmen geblieben bin. Ich habe 1,39 Euro für gummiartigen Käseaufschnitt bezahlt und dafür sieben Scheiben bekommen. Das sind 20 Cent pro Scheibe, Thilo gönnt mir aber 25 Cent (da wär vielleicht sogar ein weniger gummiartiger Käse drin gewesen). Wenn da nicht der Apfel wäre. 24 Cent darf ich ausgeben, 49 Cent hat der billigste gekostet. Das zerbröselt die Frühstückskalkulation, auch wenn ich für den Beutel Kräutertee, den ich getrunken habe, 0,5 Cent weniger gezahlt habe, als Sarrazin errechnet hat. Der etwas ominöse Apfelsaft hingegen lieferte eine 100prozentige Planübererfüllung.

Bilanz:

  • Ich bin satt.
  • Ich habe anteilig 1,42 Euro ausgegeben (7 Cent mehr als Sarrazin errechnete)
  • Ich weiß jetzt, dass ich mit der Marmelade sparen muss und mir eigentlich keinen Apfel leisten kann

mark vs. world

  1. 13. Februar 2008, 17:28 | #1

    Weiß man eigentlich, wo der Herr Sarrazin seine Gurken kauft? 30ct für eine halbe Gurke gibt es jedenfalls nicht bei Feinkost Albrecht.

  2. Marion
    13. Februar 2008, 17:56 | #2

    Ich leide mit dir: Ekelhack ist wikrlich nicht nett – deswegen als Tipp: du könntest (nächstes mal) das frische kaufen, alles anbraten und dann 4/5 selber einfrieren. By the way: Bin gerade erst dabei zu lesen, was deine Erfahrungen sind – aber fands sofort super, als ich bei fixmbr von deinem Selbstversuch las! Gruß Marion

  3. 15. Februar 2008, 21:01 | #3

    Frau kauft gerne das frische Hack und friert davon alles, was nicht sofort gebraucht wird, umgehend ein. Ob man(n) das auch kann?

  4. 22. Februar 2008, 17:36 | #4

    Hallo Marion, hallo Zeitlos,
    Um hackfleisch einzufrieren benötigt man ein tiefkühlfach. Was macht man, wenn man keines hat?

    Das gleiche gilt natürlich auch für das ekelhack aus der tiefkühltruhe. Einfrieren kostet energie. Mir sind leute bekannt, die ihren kühlschrank aus energiespargründen stillgelegt haben. Wenn man an allem sparen muß, kommen irgenwann auch sachen dran, die man an sich für selbstverständlich hält.

    Was ich an diesem teil des »zirkus sarrazini« interessant finde, ist, daß man 125 g spaghetti zugestanden bekommt und insgesamt 300 g hackfleischsoße. Ich kenne die ernährungsgewohnheiten des herrn Sarrazin nicht, aber die meisten menschen essen nudeln mit soße, nicht umgekehrt. Auch fehlt der käse. Die wahrheit sieht so aus, daß wer sich billig ernähren möchte (oder vielmehr: muß) ein nudelfertiggericht für rund 60 cent kauft, das ekelhack wegläßt und den rest entweder im laufe des tages oder am nächsten tag kalt ißt.

    Getränke sind auf herrn Sarrazins speisekarte mangelware, aber was erwartet man von einem speiseplan, der (am zweiten tag der diät) ein glas tee als vollwertige zwischenmalzeit vorsieht?

  5. reblaus
    16. April 2008, 00:55 | #5

    Trinken? Wasser kommt doch wie Strom gewissermassen aus der Wand und kostet daher nix…

  6. Fred
    16. November 2008, 02:10 | #6

    Leider verrät der werte Autor des Artikels nicht, wo er seine Gourmet Einkäufe tätigt und auf welcher abgelegenen Alm er wohnt.

    Aldi gibts eigentlich fast überall.
    Lidl scheint unter seinem Niveau zu sein.
    Ich habe bisher all meine Einkäufe bei Lidl überlebt. Es soll dort auch Käse geben, der nicht gummiartig ist.

    Bei Plus soll man die Hausmarke Marmelade 450g für 99cent gesichtet haben.

    Gut durchgebratene Ekel Bouletten sollen sich im Kühlschrank durchaus zwei Tage halten.
    Notfalls tut es auch mal ein gut durchgebratener Ekel Döner im Sonderangebot für 1,50€uro. Der ist so schön fettig, der reicht dann für den ganzen Tag.

    Ach ja, was ist denn aus der Politiker Kampagne geblieben: werft all eure Nokia Handys in die Tonne.
    Von wem war die noch gleich, Peter Struck?

  7. Rick
    8. Dezember 2008, 19:16 | #7

    Ah, spannend!

    Allerdings ist es leider (oder viel mehr zum Glück!) sogar verfassungswiedrig so einen Speiseplan zu fordern.

    Die Verfassung beschützt nämlich ethische ernährungsbedingungen à la vegetarier/veganer. Tatsächlich kommt man so sogar um den Bund erum. Nun finde mir doch mal bitte Tofu, das in diese Preisklasse passt…. vielleicht selber pressen??

    Tja ausserdem wollte ich meinen vorkommentator nochmal wiedersprechen: er sagt doch wo er seine einkäufe tätigt: Wieder willen bei Lidl.

    “Einen Aldi habe ich in meiner Nachbarschaft nicht gefunden, also musste es ein Lidl tun.” (Zitat Zeile 1-2)

  8. Atax
    23. August 2010, 15:13 | #8

    Ich lebe eigentlich sehr gut und in einem 2-P.-Haushalt. Kann nicht sagen, dass ich auf viel verzichten muss (gönne mir sogr monatlich einen Restaurantbesuch) und komme dann im Monat auf Lebensmittelausgaben von zw. 170-240 Euro was pro Person und Tag zwischen 2,75 und 4,64 liegt (Durchschnittlich also etwa bei 3,33 pro Tag).
    Daher hat Herr Sarrazin meiner Meinung und aus eigener Erfahrung eindeutig und vollkommen recht.

  9. Angie
    26. August 2010, 21:33 | #9

    Der Beitrag vom 23.08.10 von ATAX spricht mir wirklich aus der Seele. Ich lebe auch seit Jahren von staatlicher Unterstützung, da ich durch einen Unfall gehbehindert und mit Anfang 50 somit nicht mehr vermittelbar bin. Wenn ich nicht das neueste Handy, den neuesten Flachbild-Fernseher und/oder
    den neuesten Computer haben muss oder auf Raten bezahle, die mir dann über den Kopf wachsen, komme ich mit dem Geld, welches mir der Staat zur Verfügung stellt, gut über die Runden. Luxus ist damit nicht möglich, und soll es auch nicht.
    Deutschland hat Europa weit die niedrigsten Lebensmittelpreise. Ich komme mit meinen Sozialleistungen zurecht.

  10. 27. August 2010, 06:58 | #10

    Hallo beisammen!

    Also die Kochberichte sind allesamt sehr interessant. Trotzdem empfinde ich nicht alle Artikel von Lidl oder Aldi, ect. als schlecht. Ganz im Gegenteil. Ich kaufe dort verhältnissmäßig viel.

    Wieso sollte man einem Hartz IV Empfänger auf Staatskosten gehobenere Nahrungsmittel zur verfügung stellen, als es sich arbeitende Mitbürger leisten können? Zugegeben. Ich könnte und wollte mit dem Hartz-IV-Satz nicht leben… gehe deshalb auch gerne Arbeiten. Sollte man allerdings als Sozialhilfeempfänger zukünftig bei Feinkost Käfer in München verkehren können, hänge auch ich meinen Job an den Nagel.

  11. Dirk
    29. August 2010, 06:01 | #11

    Hallo liebe Leute,

    ich finde das Herr Sarazin recht hat in seinen Themen. ich bin seit 20 Jahren Koch und kann Euch versichern, das es möglich ist mit einem Tagessatz von 4,05 Euro jeden Tag zu essen.

  12. Malle
    1. September 2010, 11:30 | #12

    Also, ich selbst war früher Sozialhilfeempfänger, natürlich kann man sich nicht Fett fressen, inzwischen bin ich selbständiger Unternehmer, könnte mir mehr leisten, aber warum sollte ich. Mit ca 5 € am Tag komme ich sehr gut aus, ich seh da oben einen Aschenbecher neben den Lebensmitteln, anscheinend scheints ja für die Kippen immer zu reichen. Mir selbst sind einige im Bekanntenkreis, die Hartz4er sind, und leider muss ich sagen, der Großteil davon ist Raucher, daran wird zwar auch gespart mit billigerem Tabak und STopfzigaretten, aber dafür langts dann doch IMMER, und obwohl die genug Zeit haben, Ihr Leben neu zu planen, Ihre Finanzen vernünftig zu überdenken und ebenfalls zu planen, verbringen die meistens die Zeit vor dem Fernseher (für die Finanzierungsraterate hat der Satz noch gereicht) oder beim Farmville-zocken im Facebook (Beispielhaft), wenn man sich dann mal mit denen zusammensetzen will um deren Situation zu klären (Was für möglichkeiten hast du, wo geht dein Geld hin, was kann man auch ohne Geld starten, was bringt dich weiter, usw…) winken die meisten ab das würde ja eh nix bringen und meckern sofort auf den staat, wenn man denen dann aber tatsächlich vorrechnet, wofür das ganze Geld hingeht, sind viele ganz still…oder es kommt die “Ausrede”, “ich muss ja auch was für mich haben, sonst werd ich ja verrückt in dieser Situation”…und dazu soll man dann noch etwas sagen…? Natürlich ist das nicht für alle Hartz4er gültig, aber meistens sind die, die Ihre Zeit in sich selbst und Ihr Fortkommen investieren auch die, die bald kein Hartz4 mehr brauchen, krankheitsbedingte Transferleistungsempfänger sind nun ausgenommen, ich rede von denen, die Ihren Kopf zum denken nehmen könnten und mit ein wenig benutzen des runden Dings darin Ihre Situation deutlichst verbessern könnten… allerdings in der Zeitung mit den 4 großen Buchstaben stehen einfach nicht die Informationen, die einen auf einen solchen Weg bringt.. aber für das Käseblatt reicht das Geld ja auch ;)

  13. Mandy
    2. September 2010, 07:47 | #13

    @Rick
    Guten Tag,

    so war das gar nicht gemeint,dass man jeden Tag nur so einkaufen sollte usw. Man muss scheinbar allem widersprechen. Ich würde Tofu auch nur wider Willen kaufen. Lieber manchmal etwas umdenken, einsparen, aber mehr in die eigene Bildung investieren, damit man auch verstehen kann, was andere Menschen so schreiben.

  14. Mandy
    2. September 2010, 17:04 | #14

    Guten Tag,

    so war das gar nicht gemeint, dass man jeden Tag nur so einkaufen sollte usw. Man muss scheinbar allem widersprechen. Ich würde Tofu auch nur wider Willen kaufen. Lieber manchmal etwas umdenken, einsparen, aber mehr in die eigene Bildung investieren, damit man auch verstehen kann, was andere Menschen so schreiben.

  1. 11. Februar 2008, 18:33 | #1
  2. 12. Februar 2008, 18:17 | #2
  3. 16. Februar 2008, 02:06 | #3
  4. 6. Mai 2008, 19:30 | #4
  5. 9. Oktober 2008, 21:50 | #5