Innenpolitik, Bürgerrechte, Datenschutz, Medien
Januar 31st, 2008

10 Prozent Bekloppte in allen Parteien?

hads.jpgBjörn Hengst hat tief in der Vergangenheit gegraben und bei SPIEGEL Online enttarnt, dass DIE LINKE im Westen aus ganz vielen Marxisten, Kommunisten, Sektierern besteht und die Ossis jetzt versuchen, eben jene Klientel zu zähmen. Ich fühle mich von dem Text persönlich angesprochen, denn bei seinen Grabungen stieß Hengst unter anderem auf folgendes:

Weil er (Diether Dehm -ms) in Frankfurt auf Flugblättern für die Freigabe von Haschisch warb und gleich ein Rezept für Haschischplätzchen mitlieferte.

Diese Aktion hatte ich als damaliger Wahlkampfleiter der PDS Hessen gestartet (links: Titel des Faltblattes, hier der damalige – sehr unterhaltsame – Bericht bei SPON), um unsere Forderung nach einer Legalisierung sogenannter weicher Drogen den nötigen Nachdruck zu verleihen. Eine Forderung, die sich auch bei SPD, Grünen und FDP findet.

Unabhängig davon finde ich es merkwürdig, wenn die Medien sich jetzt auf uns stürzen und den letzten Irren aus dem hinterletzten durchgeknallten Kreisverband als Kronzeugen vor die Kameras ziehen. Würde man immer so vorgehen, dann könnte man die CSU gleich mit der NPD verbieten, weil sich in den Reihen beider Parteien ein ordentliches Maß an vollverwirrten Glatzennazis finden dürfte. Dabei rede ich gar nicht mal von Spezial-Aussetzern wie Homann.

Jedenfalls wird jede Partei ein gewisses Penum Irrer in ihren Reihen haben. Zunächst dachte ich, dass die Kloppi-Quote irgendwo um 10 Prozent liegen müsste. Inzwischen gehe ich davon aus, dass jede Partei (egal, wie groß sie ist) ein Kontingent von 7.000-10.000 Patienten zugewiesen bekommt. Bei einer sehr kleinen Partei, wie es die PDS früher im Westen war, fällt das natürlich auf. Bei sehr großen Parteien wie der SPD oder der Union fallen 10.000 Bekloppte bei 500.000 Mitgliedern nicht so ins Gewicht (ich gebe zu, dass das nicht erklärt, warum sich im damaligen PDS-Kreisverband Lahn-Dill eine Überrepräsentanz politischer Amokläufer sammelte, was Auswirkungen bis heute hat).

Weil aber auch die etablierten Parteien lustige Meldungen produzieren wollen, schicken sie halt ihr Stammpersonal auf alljährliche Amokfahrt. Hier ein kleiner Blick auf die Top 10 der Sommerlochausfälle:

  1. Norbert Geis (CDU) fordert ein Ausgehverbot für Jugendliche ab 21 Uhr (Quelle)
  2. Brigitte Adler (SPD) nahm sich der Ernährung an und forderte 1994 eine Extra-Steuer auf Schokolade (Quelle)
  3. In eine ähnliche Richtung geht die Idee von Gottfried Haschke (CDU), der eine Pizza-Steuer forderte, um die deutsche Küche zu schützen. (Quelle)
  4. Dionys Jobst (CSU) schlg vor, dass Deutschland Mallorca kaufen solle. (Quelle)
  5. Jörg Schönbohm (CDU) könnte mit bekloppten Vorschlägen ein eigenes Blog füllen. Zum Beispiel damit: Der Politiker forderte von RBB, dass der Sende “Radio Multikulti” in “Radio Integration” umbenannt werden solle. (Quelle)
  6. Christian Ströbele (Grüne) forderte mit anderen, dass in Deutschland Siesta gehalten werden solle. Wegen des mediterranen Wetters. Ein Vorschlag, der mit eigentlich entgegen kommt. (Quelle)
  7. Ronald Pofalla (CDU, auch ein Dauerbrenner) forderte, an allen deutschen Schulen Kruzifixe aufzuhängen. (Quelle)
  8. Peer Steinbrück (SPD) forderte, dass Deutsche in die Altersvorsorge statt in Urlaubsreisen investieren sollten. (Quelle)
  9. Wolfgang Tiefensee (SPD) plante, Hartz-IV-Empfänger als Patrouille im öffentlichen Nahverlehr einzusetzen, um so den Terrorismus zu bekämpfen. (Quelle)
  10. Hannelore Saibold (Grüne) meint, schärfer als Peer Steinbrück, dass Deutsche nur alle fünf Jahre in den Urlaub fahren sollen. (Quelle)

Ich hingegen erneuere meine Forderung, den Tierpark zu schließen in eine Stiftung umzuwandeln. JETZT DRUCKT MICH AB! Sonst verführe ich wieder Kinder zum Kiffen.

Januar 27th, 2008

POPULISMUS!

Spätestens seit im Jahr 1994 mich mein Physiklehrer für 40 Jahre SED-Unrecht, Mauerbau und Schießbefehl verantwortlich machte (und dies im Rahmen einer Lehrerkonfernz mitteilte, an der ich als Schülervertreter teilnahm), habe ich mich daran gewöhnt, mit sonderbaren Vorwürfen belegt zu werden. Für die DDR hat mich lange niemand mehr zur Rechenschaft ziehen wollen. Mehr in Mode sind Vorwürfe der Richtung “Populismus!”, vor allem dann, wenn es um Sicherheitspolitik geht. Danke, ebenso.

In der Hoffnung, mir den einen oder anderen Ausfall (Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung, Luftsicherheitsgesetz) von Innenpolitikern oder Wahlkämpfern (Unterschriftenaktion gegen den Doppelpass, hundefressende Asylantenechsen, Böse Jugendliche) zu erklären, denke ich häuig über die Populismusfrage nach, zumal ich in der letzten Zeit mehr oder weniger unbeabsichtigt dazu übergegangen bin, den Innenminister oder seine Kumpel selbst als üble Sicherheitspopulisten zu bezeichnen. Wenn die FDP oder auch die CDU ganz andere Vorstellungen von Sozialer Gerechtigkeit, von Steuerpolitik, Familienpolitik oder Schulpolitik haben, dann kann ich mir meist gut vorstellen, welchen Weg die Gedanken des politischen Gegners nahmen, um zu Ergebnissen wie Gesundheitsfonds, Herdprämie, Hartz IV oder Hauptschule zu kommen. Wenn aber Günter Beckstein, Wolfgang Schäuble oder sein Kollege Wiefelspütz (dessen Vorname mir doch gerade entfallen ist) absurdes Zeug fordern, das auf der Hand liegen purer Populismus ist und nicht zu mehr, sondern zwingend zu weniger Sicherheit führt, dann kann ich mich in solche Gedankenwelten einfach nicht mehr hineinversetzen.

Beim ePass zum Beispiel sind es schlicht andere Interessen, die hinter dem Projekt stecken. Eventuell kann man das auch noch für die Online-Durchuchung gelten lassen. Wenn ich aber von dem famosen Plan lese, aus der Haft entlassene Pädophile per GPS zu verfolgen, dann tut es mir furchtbar leid, weil dem nur das Etikett “Populismus!” verliehen werden kann. Ich kann das hin und her drehen wie ich will, der Täter ist aus der Haft raus (weil aus Gründen keine Sicherungsverwahrung angeordnet wurde) und soll wieder in die Gesellschaft integriert werden; die GPS-Überwachung kann keine neuen Taten verhindern, wahrscheinlich nicht mal bei eventuellen Ermittlungen helfen. Und das Rückfall-Argument kann auch nicht zählen, denn schließlich reden wir von Rückfallquoten von unter zehn Prozent. Man kann die restlichen 90 Prozent ja nicht wegsperren. Wenn man konsequent so vorginge, könnten wir um Bayern herum eine Mauer ziehen, Stacheldraht drauf und alle Kriminellen über den Main schicken. Interessant zu dem Thema auch das Sparrenblog.

Mit Roland Koch und seiner rassistischen Hetze war das auch nicht anders, nur haben das die meisten Leute wohl gemerkt. Ob das bei der Wahl was bringt, oder sich viele nicht heimlich doch entscheiden, nochmal Koch wählen, werden wir erst noch sehen. Ich hab da so ein ganz mieses Gefühl.

Jetzt werden viele sagen, dass ich mich nicht wundern soll, denn schließlich haben wir es mit Law-And-Order-Typen zu tun, die haben sie halt nicht alle usw. Das mag alles sein, aber trotzdem ist das Ergebnis eine schlechte Politik, die geradezu die Unsicherheit befördert. Koch, Beckstein, Schäuble sind unangenehme Typen, keine Frage. Trotzdem neige ich eigentlich nicht dazu, ihnen vorzuwerfen, die Karre absichtlich in die Scheiße zu reiten, was aber passiert, weil dem Populismus dann doch recht häufig Politik folgt. Das sieht dann so aus, dass die Hardcore-Unionisten dann die meisten Polizistenstellen abbauen und auf technische Überwachung setzen. Das aber wird weder mehr Sicherheit schaffen. Es wird auch nicht das viel beschworene subjektive Sicherheitsgefühl wieder in Ordnung bringen sondern höchstens und selbst das bezweifel ich) zurück auf das Niveau, auf dem es vor dem Abbau von Polizistenstellen, U-Bahn-Bersonal usw. war.

Ich denke, dass man als Linke sich mehr mit diesem Thema auseinandersetzen muss und zu einer positiv gewendeten Formulierung dessen zu kommen, was Sicherheit ist und wie viel Sicherheit man überhaupt erreichen kann und will vor dem Hintergrund, dass es nie eine Gesellschaft ohne Terrorismus, Kriminalität und Schurken geben wird. Gerade hier herrscht aber die größte Ratlosigkeit. Im vergangenen Jahr war ich auf einer Konferenz des Republikanischen Anwältevereins. Man erzählte sich erst, wie schlimm alles ist und kam beim Tagesordnungspunkt “Gegenstrategien” zu der Erkenntnis, dass man alles auf dem Rechtswege erledigen könne. Also wird dann jede Videokamera und jedes Schnüffelgesetz einzen wegeklagt. Dumm nur, dass das so lange dauern wird, dass sich in der Zwischenzeit das Land so weit verändert hat, dass Angela Merkel Recht nachträglich bekommt und Videoüberwachung nichts anstößiges mehr ist. Kein Gericht wird dann eine Schraube mehr zurükdrehen, taktische Folter, präventive Überwachung aller und gnadenlose Ausgrenzung von Minderheiten wird dann Teil unseres Rechtssystems sein.

Was ist der Schluß daraus? Wie jüngst in Berlin, als es um das ASOG ging, werden wir alle uns nicht auf die bequeme Position zurückziehen können und einfach Recht haben, sondern wir müssen das Thema Sicherheit im Dialog mit der Mehrheitsgesellschaft ausdiskutieren. Eklig, ich weiß. Dann nämlich werden Bürgerrechtler aus ihrer Wartehaltung und Gegenposition herauskommen und sich um einen eigenen Sicherheitsbegriff Gedanken machen müssen, statt ihn sich von den Schäubles dieser Welt vorkauen zu lassen. Auch eklig. Aber anders wird nichts mehr zu retten sein.

Januar 26th, 2008

Verweishinweise #1

Januar 26th, 2008

Baden-Württemberg leergetrunken

Außer Berlin unterhalten alle Bundesländer in der Hauptstadt ihre Botschaften, die Landesvertretungen. Die eignen sich prima, um Steuergeld zu verschwenden, weil sich kaum jemand um die Landesvertretungen kümmert, man aber jeden halbgaren Vorwand nehmen kann, um eine Party zu feiern.

Am Donnerstag zum Beispiel war ich in der Landesvertretung NRW zu Gast. Electronic Arts hatte zu einer Veranstaltung geladen, die sich “Political Gamers” nennt. Nach zwei wohltemperierten Reden eines Staatssekretärs aus NRW und des Chefs von EA (dauerte insgesamt nicht mehr als 20 Minuten), wurden die Abgeordneten Sven Schulz (SPD) und Miriam Gruß (FDP) vorgeführt, wie sie sich bei “Need for Speed” per Leinwand vor den anwesenden blamierten. Miriam Gruß scheint das schon zu kennen (“Ich habe ne Wii zu Hause und frage mich auch immer, was die Nachbarn denken, wenn ich im Wohnzimmer rumzapple”). Nach dem Programm gab es “Möglichkeit zum Austausch und zum Spielen an Konsolen”. Hab ich ebenso ausführlich genutzt wie das Buffet. Electronic Arts hatte dabei sehr zielgruppenorientiert geplant und an jede Konsole einen Betreuer platziert, der den anwesenden Abgeordneten und ihren Mitarbeitern Bedienungshinweise geben konnte (schütteln Sie mal dort, drücken Sie mal hier).

Fasching in der Landesvertretung BaWü

Bin gegen zehn wieder gegangen und kam auf den Heimweg bei der Landesvertretung BaWü vorbei, in der offenbar gerade eine Riesensause abging. Verkleidete Narren und Jecken standen vor der Tür und rauchten, drin wummerte Musik. Ich hab mein wichtigstes Gesicht aufgelegt und marschierte in das Baden-Württembergische Territorium ein, obwohl ich gar keine Einladung vorweisen konnte. Der Versuch, die Einladung zu kontrollieren, war seitens des Pförtners aber auch nur minder komplex ausgeprägt (auffordernder Blick, ich beschleunige meinen Schritt – “ich muss da rein”). Herrlich Narren überall und Freibier ohne Ende. An der BaWü-Landesvertretung spaziere ich öfter mal vorbei.

Januar 26th, 2008

Wahlwette Hessen / Niedersachsen

Ich wette auf folgendes Ergebnis am Sonntag:

Niedersachsen

  • DIE LINKE: 5,1%
  • Nächste Koalition: CDU/FDP

Hessen

  • DIE LINKE: 5,9%
  • Nächste Koalition: Ampel

Und was meint Ihr?

Wer mich bewundern will (für den Fall, dass ich Recht habe) oder mich auslachen will (für den Fall, dass ich nicht Recht habe), dem kann ich die Wahlparty am Sonntag ab 18.00 Uhr im Karl-Liebknecht-Haus in Berlin empfehlen.

Januar 25th, 2008

Bundestag ändert Wahlrecht

Am Donnerstag hat der Bundestag mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen etliche Änderungen des Wahlrechtes beschlossen. Die Debatte darum wäre strittig gewesen, wenn Union und SPD es nicht für richtig befunden hätten, die Änderungen im Alleingang durch das Parlament zu peitschen und die Oppositionsfraktionen gar nicht erst einzubeziehen. Man könnte meinen, dass das nicht besonders spektakulär ist, weil Regierungen ja immer dazu neigen, ihre Vorhaben durchzubringen, während die Opposition dagegen ist.Im Falle des Wahlrechts gab es bis gestern jedoch die gute Sitte, dass die Parteien sich gemeinsam auf Änderungen verständigten. Das ist deshalb interessant, weil in den Wahlrechtsänderungen häufig auch die Wahlkreise neu zugeschnitten werden, damit in jedem Wahlkreis etwa gleich viele Wähler wohnen und die Stimmen der Wähler überall das gleiche Gewicht haben. Bei der nächsten Bundestagswahl wird es zwei Wahlkreise in Sachsen und Sachsen-Anhalt weniger geben. Weil die Bundesregierung das alleine beschlossen hat, kann der Verdacht nicht von der Hand gewiesen werden, dass eine Regelung gewählt wurde, die für die eigenen Interessen günstig ist. Eine Wahlrechtsänderung mit Geschmäckle sozusagen.

Ein bisschen Pervers ist das auch deshalb, weil die Frage der Größe der Wahlkreise nicht nur eine statistische Frage ist, sondern im Falle von Sachsen und Sachsen-Anhalt auch eine politische. Schließlich ist die Abwanderung aus den ostdeutschen Ländern ein Symbol für die gescheiterte Politik von Merkel, Kohl und Schröder, die es nicht geschafft hat, Perspektiven für die neuen Bundesländer zu schaffen. Deshalb findet Abwanderung ja erst statt. Ich finde, dass es auf der Hand gelegen hätte, sich in diesem Zusammenhang gemeinsam, also fraktionsübergreifend, der Ostproblematik zu widmen.

Doch dabei bleibt es nicht: Ganz offensichtlich in Reaktion auf die Bundestagswahl 2005 ist es künftig verboten, dass eine Partei einen Kandidaten aufstellt, der Mitglied einer anderen Partei ist. Eine gemeinsame Liste – wie 2005 aus Linkspartei.PDS und WASG – ist damit künftig nicht mehr möglich. Das ist nicht nur ein ungeheuerlicher Eingriff in die Autonomie der Parteien, sondern eine Regelung, die einseitig die bereits im Bundestag vertretenen Parteien begünstigt. Entscheidung sozusagen per Wahlrechtsänderung statt durch Wählerwillen. Kann nicht sein.

Abgelehnt wurde übrigens ein Antrag der Linksfraktion, Wahlcomputer zu verbieten. Die Mehrheit war der Auffassung, dass Wahlcomputer sicher seien. Angesichts des Versuchs des CCC, der es mit bescheidenem Werkzeug in wenigen Minuten schaffte, einen Wahlcomputer zu manipulieren, würde ich sagen: Sicher ist nur, dass die Dinger unsicher sind. Das ist natürlich schlimm. Man stelle sich vor, Angela Merkel verliert knapp de nächste Wahl und bleibt Bundeskanzlerin, weil Wahlcomputer Nr. 27490 defekt war oder manipuliert wurde. Das muss auf jeden Fall verhindert werden!

Januar 24th, 2008

Aktueller Modetipp

Wiedermal ein toller Modetipp, diesmal aus dem Hause “3Dsupply”. Leider besteht auch hier das Farb-Problem. Orange kann ich wirklich nicht tragen. Gelb, grün und weiß auch nicht. Nur schwarz. Vielleicht kommt noch ein erfrischendes mausgrau in Frage. Wer vor Orange keine Angst hat, kann das T-Shirt hier für 14,80 bestellen, 3 Euro davon gehen als Spende an den foebud. [via]

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Januar 18th, 2008

Bahnkryptik

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Am Bahnhof Friedrichstraße befindet sich – wie an immer mehr Bahnstationen auch – eines dieser obskuren Dinger, bei denen ich mich schon immer frage, was das eigentlich ist. An der Friedrichstraße jedenfalls haben sie jetzt schon mal Schilder aufgehängt, die darauf hinweisen, was es nicht ist. Aber warum schreiben sie nicht einfach, was das für Dinger sind?

Januar 18th, 2008

Podcast: Neulich im Bundestag: Sie. Ich. Nein. Doch. Oh!

 
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Januar 16th, 2008

Abgeordnete und Strafverteidiger im Visier

Das Prinzip Schäuble hat der Öffentlichkeit heute eine neue Facette offenbart. Kritik am Entwurf des BKA-Gesetzes, die sich mit Blick auf den Schutz von Berufsgeheimnisträgern wie Ärtzen, Rechtsanwälten oder Journalisten darüber beklagte, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient gestört wird, wenn die Praxis abgehört wird, dass Journalisten ihre Quellen nicht mehr schützen können, dass Mandaten ihre Anwälte nicht mehr im Vertrauen kontaktieren können, hat Gehör gefunden im Innenministerium. Freilich nicht so, wie wir uns das dachten, dass zum Beispiel der Zwei-Klassen-Schutz aufgehoben wird (besserer Schutz für den eigenen Strafverteidiger, den Pfarrer oder den Abgeordneten; schlechterer kein Schutz für Journalisten, Beratungsstellen, Ärzte). Nein, Schäuble will das Zeugnisverweigerungsrecht ganz abschaffen. Die Kritik wurde also aufgenommen und direkt in noch perverserer Form in das Gesetz reingeschrieben. “Nachbesserung” nennt sich das offiziell.

Und so sieht die Nachbesserung aus: Abgeordnete, Strafverteidiger und Geistliche können Opfer der geplanten Abhörbefugnisse des BKA vom Großen Lauschangriff bis zur Online-Durchsuchung werden. Das Innenministerium wiegelt ab und meint, dass Berufsgeheimnisträger nur in schweren Fällen abgehört werden sollen, wenn Gefahr für Leib und Leben besteht. Eine wirkliche Einschränkung ist das nicht, denn das BKA-Gesetz soll ohnehin nur bei schwerer Gefahr greifen. Oder wenn jemand einen langen Rauschebart hat. Oder wenn jemand – wie Andrej Holm – sein Handy zu Hause lässt und deshalb ein §129a-Verfahren an der Backe hat.

Es kommt aber noch dicker: Im alten Entwurf des BKA-Gesetzes war eine besonders strenge Prüfung der Verhältnismäßigkeit vorgesehen für den Fall, dass ein Berufsgeheimnisträger abgehört werden soll. Gestrichen, brauchen wir nicht.

Das wird heiter für Leute, die verdächtigt werden, irgendwas mit Terrorismus zu tun zu haben. Einen fairen Prozess können sie sich an die Backe heften, weil der Strafverteidiger künftig belauscht wird. Und dank Online-Durchsuchung sind die Computer von Abgeordneten und Anwälten ein offenes Buch für das BKA. Allzuviel Phantasie braucht man nicht, um sich ein paar Verschwörungstheorien auszumalen.

Krude ist auch, dass sich die SPD völlig ahnungslos zeigt. Auch die Oppositionfraktionen im Bundestag wurden von der Nachricht der Änderung des Referentenentwurfes zum BKA-Gesetz, der das Datum 6.12.007 tragen soll, überrascht. Andererseits verlautbart gerüchteweise, dass BKA-Präsident Ziercke am Montag im Rahmen einer BKA-Veranstaltung mit dem neuen Gesetzentwurf hausieren ging, während die Abgeordneten (auch die der SPD) aus der Presse von den Vorhaben erfahren mussten.

Das Innenministerium ist sich sicher, so teilte ein Sprecher mit, dass die geplante Änderung absolut auf dem Boden des Grundgesetzes steht. Das werden wir erst noch sehen, wie ich finde. Bis dahin kann innerhalb der SPD mal jemand auf die Idee kommen, ein Parteiausschlussverfahren gegen das SPD-Mitglied Jörg Ziercke zu initiieren. Wegen Partei- und demokratieschädlichem Verhalten. Während sich darüber jemand den Kopf zerbricht, können sich Anwälte überlegen, einen Hund anzuschaffen und künftig mit den Mandanten lange Spaziergänge zu unternehmen, statt in der verwanzten Kanzlei zu sitzen.

Weitere Texte zum BKA-Gesetz gibt es hier.

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