Fättnäpfchen bis zum Kinn: Die gestrige Ankündigung von Katina Schubert, Vizechefin der LINKEN, hat – auch hier – für heftige Reaktionen gesorgt. Heute kam die erleichternde Nachricht, dass Katina auf die Anzeige verzichten bzw. sie zurückziehen wird:
Da eine Strafanzeige offenbar der falsche Weg für diese Auseinandersetzung ist, ziehe ich diese – nachdem mich bereits gestern Vertreter von Wikimedia angesprochen haben und wir intensiv diskutiert haben – heute zurück. Ich stelle mich gern dem Gespräch, um andere, sinnvollere Wege der gesellschaftlichen Auseinandersetzung zu finden. (Quelle, siehe auch hier)
Immerhin. Es ist sicher nicht ehrenrührig, einen Fehler zu machen. Erst recht dann nicht, wenn man auch noch den Arsch in der Hose hat, das zuzugeben. Im Politikbetrieb wird das einem häufig als Schwäche ausgelegt.
Ich hatte gestern und heute einen umfangreichen Mailaustausch mit Katina. Ich habe schlicht den Eindruck, dass sie in eine Falle getappt ist. Das Anliegen ansich, nämlich braune Propaganda zu tilgen, teile ich absolut. Entsprechend rumgezetert haben ja auch Kräfte von rechts außen, wie in Kommentaren bei allen möglichen Blogs zu verfolgen ist. Allein, eine Anzeige zu erstatten hilft nicht zur Erreichung dieses Zieles. Diese Erkenntnis hat sich breit gemacht, auch wenn dazu umfangreicher Schriftverkehr nötig war.
Interessant ist nun, wie die Debatte weiter geht. Im Fall der Wikipedia gibt es ja einen solchen Kodex. Ich bin mir nicht sicher, ob eine weitere Regulierung nötig ist. Im Raume steht aber durchaus die Frage, was mit kommerzialisierten Angeboten ist, die sich beispielsweise durch Adical vermarkten lassen. Dazu hatte ich mir vor geraumer Zeit schon mal einen Gedanken dazu gemacht, ob dort nicht gewisse Redaktionsstatuten vorhanden sein sollten.
Ich fürchte hoffe, dass darüber hinausnoch eine breite Debatte in der LINKEN stattfinden wird. Auch linke werden nämlich lernen müssen, dass der Staat nicht alles regeln kann und auch nicht alles regeln muss, weil sich manche Sachen, wie Nazi-Schmuddel in der Wikipedia, von alleine regeln.
Trotzdem: Eine Debatte, wie der Kampf um die Köpfe, den Nazis führen, dauerhaft gewonnen werden kann, muss sein. Einen interessanten Ansatz dazu liefert Julia Seeliger. Und ich hoffe, dass diese Debatte wenigstens einen Beitrag dazu leisten wird.
Zur Rücknahme der Anzeige siehe auch:
- Wikipedistik: Erfreulich ist die Einsicht, aber juristisch ist eine Rücknahme der Anzeige nicht möglich. In dem Artikel wird auch auf den “Neutralen Standpunkt” der Wikipedia verwiesen.
- Welt.de
- Chip.de
- Netzeitung











[...] Julia, Mark, Carsten, Jens, Henning, Heiko und viele andere haben bereits über den PR-Stunt von Katina [...]
Ihr habt doch jede Menge junger, internetaffiner Menschen, denen gewiss eine andere Strategie zur Diskussionseröffnung zur Tilgung von Nazi-Propaganda eingefallen wäre. Hätte sie nicht die fragen können, bevor sie sich zu dieser recht drastischen Maßnahme entschloss?
Davon abgesehen ist die Diskussion um die Notwendigkeit eines Kodexes auch nicht wirklich neu und wird immer wieder mit Hinweis auf die Selbstregulierbarkeit abgetan — wie auch immer diese Selbstregulierung aussehen soll.