Als ich eben ins Büro kam, stapfte mir sofern ich mich nicht schwer irre, Silke Stokar von der Grünen-Fraktion entgegen und stieg in den wartenden Benz der Fahrbereitschaft des Bundestages. Das war so gegen 20 vor neun. Ich vermute mal, dass sie mit der Fahrbereitschaft zum Paul-Löbe-Haus gefahren ist, wo ab 9.15 Uhr der Innenausschuss des Bundestages tagt, dessen Mitglied Frau Stokar ist. Von unserem Gebäude aus ist das Paul-Löbe-Haus in etwa 10 Minuten zu Fuß erreichbar. Wenn das mal nicht bigott ist.
Bigott?
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Bigotter, als wenn ein Mitglied der umbenannten SED etwas von neuer Stasi orakelt?
Das ist primitiv. Welche Blockparteien der DDR samt Altvermögen, Kader und Spitzel hat deine Partei denn geschluckt?
Meine Partei? Ich brauch sowas nicht. Die einzige Partei, in der ich mal Mitglied war, hat damals die Bürgerrechtler geschluckt.
Ansonsten behaupte ich, dass zwischen Geschlucktwerden und selbstständigem Weiterbestehen (bei großer Kreativität in Benennungsfragen) ein Unterschied besteht. Und zwischen kommunistischer Staatspartei und pseudodemokratischem Anhängseln auch.
Haste eigentlich schon das Interview mit deinem ehemaligen Parteifreund Schabowski gelesen?
@ boche,
es gibt einen schönen spruch: wenn man keine ahnung hat, einfach mal klappe halten!
der blogbetreiber kommt aus dem westen, war also nie mit dem schabowski in einer partei. ich im übrigen auch nicht.
und wenn du meinst eine verbindung zwischen stasi, sed und linkspartei. inhaltlich herstellen zu können, solltest du erst mal lesen.
ich stelle ja auch keinen zusammenhang zwischen inquisition und cdu, ökofaschismus und grünen und noske und der heutigen spd her.
@Halina
Deine Unverschämtheit kann ja nun auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die PDS, die sich da mit den westdeutschen Linken zur Linkspartei zusammenschließt, nichts anderes ist als die SED. Nur mit anderem Namen. Oder zeig mir doch mal, wo und wann die SED aufgelöst und wo und wann die PDS neu gegründet wurde.
Keine Ahnung? Klappe halten? Könnte es sein, dass dieser Spruch auf dich zurückfällt?
Die PDS hat sich natürlich nicht neugegründet, sondern trat die Rechtsnachfolge der SED an. Das finde ich auch im Nachhinein sinnvoll, denn die PDS ist die einzige der Parteien, die sich ausgesprochen selbstkritisch, wenn auch nicht zu 100% freiwillig, mit der eigenen Vergangenheit auseinandersetzen muss. Und das auch getan hat. Der Grundkonsens der PDS war und wird in der neuen Partei DIE LINKE ein antistalinistischer sein.
Man muss sich mal vor Augen führen: Die SED hatte 1989 rund 2,1 Mio. Mitglieder. Dazu kommen noch die Blockparteien, die von FDP und CDU klammheimlich egschluckt wurden ohne eine Debatte um deren individuelle Vergangenheit zu führen. Die PDS hatte zu Beginn (1990) noch rund 285.000 Mitglieder. Inzwischen sind es noch rund 60.000 (davon rund 7000 aus dem Westen). Wo sind denn dann die ganzen SED-Kader hin? Bei den anderen Parteien oder im Privaleben verschwunden, ohne auch nur den kleinsten Teil der Auseinandersetzung mit Geschichte zu leisten.
Obwohl ich herzlich wenig damit zu tun habe, werde ich von Leuten wie Dir in Sippenhaft genommen. Aber egal, das verfolgt mich schon seit Jahren. Also leiste ich meinen absurden Beitrag zur Geschichtsaufarbeitung (siehe z.B. Interview aus dem Jahr 2002: http://www.mark.linkeblogs.de/about/portrait/).
Und was ist Deine Leistung zu diesem Thema? Hände in Unschuld waschen? Mit dem Finger auf die anderen zeigen? Nichts wissen (wollen)?
Rechtsnachfolge? Ich zitiere aus Wikipedia:
“Als Rechtsnachfolge bezeichnet man den Übergang von bestehenden Rechten und Pflichten einer Person auf eine andere („Rechtsnachfolger“).”
Die PDS ist die SED, die sich einen neuen Namen gegeben hat. Deshalb ist es auch kein Ruhmesblatt sondern das Mindeste, was man erwarten kann, dass diese Partei sich ihrer Vergangenheit stellt. Ob sie dies ausreichend oder überhaupt überzeugend tut, das darf man sicher diskutieren. (Ich erinnere mich an Teilnahmen führender PDS-Kader an Nostalgie-Treffs von Stasi-Offizieren, die sich dort auch entsprechend frech gaben.)
Dass die SED viele Mitglieder verloren hat – unbestritten. Aber warum soll daraus zu schließen sein, dass sie gerade die SED-Kader verloren hat? Angesichts der Alterstruktur im Osten dürfte man ja fast das Gegenteil vermuten. Und mit einem Modrow oder einem Bisky oder einem Gysi sind ja nun auch nicht besonders unzweifelhafte Gestalten in der aktuellen Spitze vertreten.
In die Sippenhaft hast du dich selbst begeben. Wenn nach dem zweiten Weltkrieg die NSDAP nicht verboten worden wäre (mit der SED hätte man das auch tun sollen), hätte man natürlich jedem, der in diese Partei, egal, welchen Namen sie sich inzwischen gegeben hätte, eintritt, die Solidarisierung mit dem Nazi-Pack vorgeworfen.
Was meine Leistung zu dem Thema ist? Nicht mit Ex-Diktatoren und ihren politischen Organisationen von heute gemeinsame Sache zu machen.
Ist gar nicht schwer, wenn man ein wenig Anstand mitbringt.
also, schabowski ist beispielsweise nicht mitglied der Linkspartei. Viele andere auch nicht. was die pds-führung auszeichnete, ist eine überaus junge führungsriege, weil man eben nicht den alten kadern die macht in den händen ließ, sondern die partei erneuerte. und leute wie lothar bisky als zweifelhafte gestalt zu bezeichnen, zeugt von einer grotesken unkenntnis der dinge. das ist genauso stumpf wie die unionsfraktion 1994, die sich einbildete, sie hätte mit stefan heym einen alten kommunisten, den es zu fressen gilt, vor sich. oder die geschichte mit dem pds-abgeordneten gerhard riege, der förmlich in den freitod getrieben wurde. er hat zwar berichte über westreisen geschrieben, weigerte sich aber, berichte über kollegen zu schreiben, was ein mutiger schritt war. riege wurde im plenum übelst beschimpft und diffamiert, ohne dass das präsidium einschritt. ein seinem abschiedsbrief schrieb er:
„Ich habe Angst vor dem Haß, der mir im Bundestag entgegenschlägt, aus Mündern und Augen und Haltung von Leuten, die vielleicht nicht einmal ahnen, wie unmoralisch und erbarmungslos das System ist, dem sie sich verschrieben haben.“
die schreier vor allem der union fühlten sich hingegen schon als die helden des widerstands, wenn sie über die grenze fuhren und ihre ostverwandschaft besucht hatten, während strauß hervorragende geschäfte mit dem verbrechersystem machte.
was ich sagen wil: ein bisschen mehr differenzierte sicht auf die dinge, ein bisschen mehr vor der eigenen haustüre kehren. wenn die westparteien ebenso gründlich mit ihrer vergangenheit umgehen würden, wie die pds es musste, wären uns vielleicht hässlichkeiten wie der nazikanzler kiesinger erspart geblieben.
das mit den nostalgietreffs halte ich für eine unseriöse argumentation. ich werfe der cdu ja auch nicht vor, die nachfolgeorganisation der nsdap zu sein, nur weil sich in deren reihen auch ne menge nazis tummln. ich kann das verhalten einzelner mitglieder von der parteimeinung unterscheiden. sogar bei der union.
zu deiner “leistung” stelle ich fest, dass sie keine ist.
Schabowski war Mitglied der SED. Die PDS ist dieselbe Partei unter anderem Namen.
Bisky und sein Wirken für das ZK der SED im speziellen und für das DDR-System im allgemeinen ist also nicht zweifelhaft. Ein längst weitgehend entlasteter Kiesinger ist aber ein “Nazikanzler”? Ich stelle fest, du bist ein fähiger Kader einer sozialistischen Partei und hast die Propagandatricks drauf.
@ boche,
liest du richtig, dann stellst du fest, dass ich davon gesprochen habe das INHALTLICH keine verbindung zwischen sed und pds/linkspartei.pds herstellbar ist. das das richtig ist, hast du bewiesen, weil du an keiner stelle eine solche verbindung herstellen konntest und im übrigen auch nicht kannst. weil es diese verbindung nicht gibt.
darauf habe ich hingewiesen und auf nichts anderes. das mit dem rechtlichen bestreitet im übrigen keine/r. die sed ist rechtsnachfolger der kpd und die kpd die pds die rechtsnachfolgerin der sed. die partei DIE LINKE. ist rechtsnachfolgerin der linkspartei.pds.
aber reden wir hier über inhalte oder nicht? dein einwand war, dass niemand der in der nachfolgeorganisation der sed ist, über eine neue stasi orakeln darf. warum? weil man aus geschichte nicht lernen und schlussfolgerungen ziehen kann?
@Halina
Díe personelle Verbindung mit DDR-Bonzen, das Eintreten für Stasi-Obere und das weitere Streben nach dem Sozialismus sind für mich Belege genug.
Aber genauso selbstverständlich wie Sozialisten anderen vorhalten dürfen, sie wollten genauso unterdrückerisch tätig werden, wie ihre eigenen Rechtsvorfahren es taten, dürfen z.B. Deutsche Israel vorwerfen, sie würden es mit den Palästinensern genauso treiben wie die Nazis mit ihnen.
Beides ist erlaubt. Bigott und merkwürdig finde ich es trotzdem.
weil man aus geschichte nicht lernen und schlussfolgerungen ziehen kann?
Man kann. Aber gleichzeitig in der Organisation der Verbrecher von damals sein – das passt leider nicht zusammen, liebe/r Halina.
@ boche,
seltsames verständnis. mach mal den fernseher an. da verteidigen gerade heutige bonzen einen gesetzesentwurf zur entschädigung von sed-opfern (drucksache 16/4842) der einfach den opfern gegenüber ein hohn ist. sie hauen auf die fraktion, deren gesetzesentwurf der versuch ist nicht entschuldbares unrecht wieder gut zu machen (drucksache 16/4846), ein. bonzen bleiben halt bonzen….
und du willst mir nicht ernsthaft erklären, dass heutige christen nichts aus den kreuzzügen und der inquisition gelernt haben.
@halina
Mit den Drucksachen kann ich nicht viel anfangen und einen Fernseher habe ich auch grad nicht in Reichweite. Falls es aber in der PDS Bestrebungen gibt, die Schuld abzutragen, ist das natürlich begrüßenswert. Trotzdem wäre die beste Demonstration gewesen, gar nicht erst in die Partei der Täter einzutreten. Sondern zum Beispiel den Mumm zu haben, eine neue, unbelastete linke Partei zu gründen. Aber das wäre wohl unbequemer gewesen…
und du willst mir nicht ernsthaft erklären, dass heutige christen nichts aus den kreuzzügen und der inquisition gelernt haben.
Der Mantel der Geschichte ist noch ein wenig zu groß für die SED, meinst du nicht?
@boche
Du bist als LIberaler doch sicher der Auffassung, dass es legitim ist, wenn sich Leute in einer Partei organisieren, die für den Demokratischen Sozialismus steht. Das gab es vor der PDS nicht in Deutschland.
Wären wir (bzw. die, ich war damals noch nicht dabei, weil ich da erst 14 war) hergegangen und hätten eine neue Partei gegründet, wäre das nicht zu Unrecht als Etikettenschwindel enttarnt und dargestellt worden und hätte überdies an deinem Standpunkt wahrscheinlich nichts geändert. Die Entscheidung, als Partei Verantwortung zu übernehmen für das, was war, finde ich nach wie vor richtig (wenn auch nicht einfach). Denn das Aufarbeiten der Geschichte mit allen Problemen, die damit einhergehen, muss stattfinden. Eine Neugründung jedenfalls hätte gerade den Kräften in die Hände gespielt, die eine Aufarbeitung nicht wollen. Die PDS hat sich damals für den Weg Verantwortung, Aufarbeitung, Erneuerung und Abkehr vom Stalinismus entschieden.
Zu Kiesinger und Bisky: Weder sehe ich Kiesinger als entlastet an (erinnert mich irgendwie an die Geschichte Oettinger/Filbinger), noch kann ich an Lothar irgendwas verwerflich finden. Im Gegenteil. Außer bei einigen Betonköpfen der Union ist das auch allgemein anerkannt.
Die Drucksachen kann man unter http://dip.bundestag.de unter Angabe der Nummer recherchieren.
@Mark
Ich bin als Liberaler der Meinung, dass auch die Freunde der Unfreiheit politisch tätig sein dürfen. So lange sie nicht die Macht erhalten, wieder Mauern zu errichten und Schießbefehle auszugeben.
Eine neue Partei wäre nur dann als Etikettenschwindel zu bezeichnen gewesen, wenn sie das Gleiche wie die alte (sie hieß SED, um noch einmal daran zu erinnern) verfolgen würde. Laut halina ist das inhaltlich ja nicht der Fall. Also wäre eine Neugründung doch der eigentlich logische Schritt. Wenn man, anders als ich, meint, Sozialismus wäre ohne Gewalt und Zwang möglich – warum klammert man sich an eine Organisation, die für genau das steht?
“Eine Neugründung jedenfalls hätte gerade den Kräften in die Hände gespielt, die eine Aufarbeitung nicht wollen.”
Die hätte man ja nicht aufnehmen müssen. Ohne Neugründung bleibt man aber automatisch mit ihnen im Boot.
“Zu Kiesinger und Bisky: Weder sehe ich Kiesinger als entlastet an (erinnert mich irgendwie an die Geschichte Oettinger/Filbinger), noch kann ich an Lothar irgendwas verwerflich finden. Im Gegenteil. Außer bei einigen Betonköpfen der Union ist das auch allgemein anerkannt.”
Allgemein anerkannt? In den Kreisen, in denen du dich bewegst, sicher. Dass ein Filbinger Ziel einer Stasi-Kampagne war, ist ja inzwischen nachgewiesen. Da wundert deine Haltung im Zusammenhang nicht mehr. Und was das ZK der SED war und wie jemand einzuschätzen ist, der denen zugearbeitet hat, lässt du dir mal von jemanden erklären, der etwas älter ist als du und die DDR von innen erlebt hat. Aber ein Tipp:_ Frage nicht unbedingt einen Parteigenossen.
Danek für den Tipp mit der Drucksachenrecherche! Dann habe ich doch zumindest einen Nutzen aus dieser Diskussion gezogen.
@ boche,
und kannst mal bei den liberalen nachfragen, wie die sich verhalten haben
@Halina
Wenn ich mal so parteipolitisch denke, wie du, weiß ich wahrscheinlich, wen genau ich fragen soll. Nach welchem Verhalten eigentlich?
na zur opferentschädigung. ich glaube sogar, liberale müssen sich ausnahmsweise mal nicht schämen für die angeblich liberale partei
Das ist doch schön.
@boche
Filbinger! Ziel einer Stasi-Kampagne? Waren deine Absonderungen bisher schon kaum erträglich, das schlägt dem Faß nun wirklich den Boden aus. Selbst wenn es so wäre: Ändert es etwas an der Schuld dieses Vollfaschos?
Verkrich dich besser unter den stinkenden Stein, unter dem du hervorgekrochen bist.
Mach gut du – boche du!