Das dachte ich zumindest, als in dieser Woche die Meldung über den Ticker ging, dass beim Linkspartei-Abgeordneten Abhöreinrichtungen oder gar “mikrofonähnliche Mikrofone” gefunden wurden. Selbstverständlich saß ich gerade in der Kantine, als ich davon hörte und machte mich unverzüglich auf den Weg ins Büro. Schließlich bin ich sensationslüstern und Neskovic hat sein Büro auf dem selben Flur wie ich. Oben war schon der Staatsschutz zu Gange, dessen Aufgabe unter anderem darin bestand, immer wieder die Feuerschutztüre zu schließen, wenn jemand den Flur entlang kam, der nicht wie ein seriöser Abgeordneter aussah. Ihr könnt euch vorstellen, dass das bei uns öfter vorkommen kann. Jedenfalls waren alle erschüttert, aber auch neugierig. Und so versammelten sich um den Stehtisch, der vor unserem Büro auf dem Flur steht, ganze Trauben neugieriger Linksfraktionsreferenten mit Kaffeetassen und Wassergläsern, um die Geschehnisse zu kommentieren. Gegen Nachmittag wurden Häppchenn gereicht.
Da die Presse ausgesperrt wurde, aber unbedingt Bilder vom Flur und einer der sagenhaften Lampe haben wollte, entschieden Dominic und ich, zwei bis zwanzig Kamerateams einzuschmuggeln. Das Angebot wurde dankbar angenommen. Die Bundestagspolizei war verwirrt, als Kamerateams aus sicherer Distanz den Flur filmten und unbedingt die beiden Bundestagspolizisten so vor die Linse kriegen wollten, dass der Schriftzug “Polizei” auf den schwarzen Windjacken erkennnbar ist. Problem: Bei Polizist Nr. 1 war die Schrift vorne, bei der Polizisten Nr. 2 hinten angebracht.
Kameramann: Ooch. Drehen Sie sich doch mal! [beide drehen sich, dann zur Polizistin]: Nein, Sie nicht von vorne. Sie hätte ich lieber von hinten, ääh, naja, wegen der Polizei. Also, nicht von vorne.
Ich: Nanana, jetzt gibts aber gleich Ärger mit der Linkspartei-Frauenreferentin
Das RTL-Team nahm begeistert unser Angebot wahr, in unserem Büro eine baugleiche Lampe wie die des Büro Neskovic zu filmen. Daher kommt es auch, dass in den RTL-Nachrichten nicht nur die Lampe, sondern auch die an der Lampe befindliche Diskokugel zu sehen war.
Hach, war das aufregend. Ich finde übrigens nicht, dass der Hinweis, dass die Mikrofone stümperhaft angebracht waren, von vornherein gegen eine Aktion der Geheimdienste sprechen. Seither jedenfalls sind wir Hohn und Spott ausgesetzt. Ständig kommen Sozialdemokraten zu Besuch, um nach Mikrofonen zu fragen, ehemalige Praktikanten schreiben E-Mails und Dominic schaut sich viel intensiver als sonst die Decke an.
inside Bundestag, mark vs. world