Innenpolitik, Bürgerrechte, Datenschutz, Medien
März 17th, 2006

Viva Cuba

Gestern waren wir auf kubanischem Staatsgebiet, passsend zum aktuellen Thema. In der kubanischen Botschaft um genau zu sein. Da war nämlich ein Empfang zu Ehren der fünf Freunde, der „Cuban“ oder wahlweise auch „Miami Five“. Hört sich an wie ne Boyband oder ein Kinderkrimi, is aber weder das Eine noch das Andere.

Die „Cuban Five“ (Rene, Antonio, Ramon, Fernando und Gerardo) sind seit 1998 in den USA inhaftierte Kubaner. Zu Unrecht natürlich, wie wir uns schon gedacht hatten. Trotz dieses traurigen Anlasses war die Veranstaltung ganz nett. Mit Musik (der multilinguale Sänger trug ein Knöchelband aus Kaurimuscheln, wahrscheinlich wegen der Cocktails), Buffett (sehr gut, wegen der Cocktails) und Cocktails. Es drängelten sich quasi ununterbrochen freundliche junge Damen mit vollen Tabletts durch die Menge, wir waren sehr zuvorkommend und befreiten sie von unnützem Gewicht. Ich überlegte zunächst, ob ich man sich nicht ein wenig schlecht fühlen sollte, schließlich fand diese ganze Veranstaltung ja der fünf Helden zu Ehren statt, die, verteilt auf fünf US-amerikanische Hochsicherheitsgefängnisse, sicherlich einer eher spartanischen Lebensweise unterworfen sind. Nach dem ersten Mojito taten sie mir immer noch genauso leid, inzwischen hatten allerdings der Menschenrechtler und der Prozessbegleiter gesprochen und mir mit ihrer zuversichtlichen und dennoch realistischen Sicht der Dinge Mut gemacht, dass alles gut werden würde. Außerdem kam gerade eine von den freundlichen jungen Damen mit Tablett vorbei, die wir zuvorkommend von unnötigem Ballast befreiten. Nach dem zweiten Mojito (auf Kuba hat man ein recht großzügiges Verhältnis zum Rum) fiel mir dann auf, dass unsere fünf Freunde ja auch nichts davon haben, wenn die arme Minze hier vertrocknet. Hätte man auch früher drauf kommen können. Und außerdem kam wieder eine von den freundlichen jungen Frauen vorbei, die viel zu zierlich war um solch ein schweres Tablett zu tragen. Und dann war die Minze alle, wir hatten der Botschaft also den Mojito ausgetrunken. Aber gab ja noch Cuba Libre, bzw. Cuban Five Libre. Da wir den vom US- Imperialismus schon genug gebeutelten Kubanern ja nicht auch noch die Cola austrinken wollten verließen wir die Veranstaltung daraufhin recht bald. Ich fands toll.

Maren Kellermann

März 5th, 2006

Ich war jung und brauchte das Geld

Ein Buch. Entstanden heute Nacht auf Katalins Geburtstagsparty. Es ist nicht das dickste, aber bestimmt das beste. Mitgeschrieben haben Katja Jösting, Sebastian Meskes, Lothar Schüssler, Sebastian Koch und Mark Seibert.

Worum geht es eigentlich in dem Buch?
Das müssen wir nicht genau festlegen.
Ich kenn da ne Kneipe, da gibt’s 700 Whisky-Sorten.
Ist das die mit dem T-Shirt, wo der Teufel den Engel abfüllt?
Das müssen wir aufschreiben!

Kneipen. T-Shirts. Dinge aufschreiben.
Von all dem ahnte ich nichts, als ich nach Berlin zog.
Ich wusste auch nichts von 700 Sorten Whisky,
sicherlich wäre ich sonst bereits früher hierher gezogen.

Leider macht die 700-Whisky-Sorten-Kneipe selbst am Wochenende bereits um 5 Uhr morgens zu. Is aber nicht schlimm. Gibt ja noch mehrere. Ich empfehle da immer Adalbert- Ecke Naunynstraße. Also na ja. Darum geht’s aber eigentlich gar nicht.

Worum geht’s denn eigentlich. Es geht doch gar nicht um den Whisky. Ich denke da eher an andere Dinge. Aber an welche. Da fällt mir gerade ein, dass ich damals eigentlich Geld brauchte. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen. Na ja, dachte ich mir, irgendwie wird das ja noch werden.

Aber mit dem Werden ist es ja auch schwierig. Weil ja so vieles einfach ist – und folglich ja nicht mehr wird. Aber schön ist es deswegen noch lange nicht. Ich hab übrigens endlich meinen Studiengang gefunden: Sozialwissenschaften an der TU. Mit Mensch und Technik. Aber sie haben mich nicht genommen. Aber ich gönne mir die Bachelorarbeit auf jeden Fall vor der nächsten Bundestagswahl.

Nur weil ich eine Schreibblockade habe, wollen einige der hier Anwesenden, dass ich das Notebook weitergebe. Wie komm ich denn dazu? Schließlich bin ich seit diesem Abend ein Dissident. Aber leider kann ich an nichts anderes denken als an den Weinladen, der bis Abends um neun offen hat. Außer, wenn man es niemandem erzählt. Dann kann es auch mal sehr geil werden.

Schreibblockaden und Dissidenten haben mich bisher noch nie gestört, sondern eher begeistert. Obwohl es Dissidenten mit Schreibblockade es in manchem Teil der Welt sicher leichter haben könnten. Was kann einem auf Kuba besseres passieren, als nach der Grundschule eine Schreibblockade zu bekommen? Zumindest auf Kuba bedeutet das Freiheit.

Schreibblockaden sind wie Nichtraucher. Nichtraucher sind Raucher, die sich ihre Sucht nicht eingestehen können. Schwach also. Schreibblockade vorschieben ist auch schwach. Es läuft doch. Man siehts ja. Schreibblockade als Tarnung für Überlegungen über Scham und Unfähigkeit. Machen. Der Trick ist ein Click.

Ich bin nun mal so, wie ich bin. Irgendwie wollten wir doch was sagen zu der Frage, wie das mit dem Geld ist. Was fällt mir eigentlich dazu ein. Blackjack und Nutten. Kennt Ihr eigentlich dieses Spielcasino am Alex. Wie heißt dieses Hotel eigentlich, was so glänzt. Na ja, als ich jung war, war da wirklich was los.

Als ich nämlich jung war – so vom inhaltlichen Standpunkt – da gabs weder Black Jack noch Nutten. Wie auch immer, wir wollen demnächst mal Black Jack spielen. Wir haben nur diese 100,- € nicht. Aber viel wichtiger: habe ich eigentlich eine Krawatte. Also Scheiß auf das Geld- aber ohne Krawatte kommt man in so ein Kasino nicht rein. Ist zwar pauschal – stimmt aber trotzdem.

Die Frage ist, ob ich an dieser Stelle „quapitle deux“ schreiben soll. Jetzt habe ich es schon geschrieben. Das ist gut, weil es das wichtigste ist, dass „que“ in dem Wort vorkommt. Was will man mehr. Es sind keine Franzosen hier. C’est un rêve. Denn die würden an genau dieser Stelle sagen, dass wir lieber Deutsch sprechen sollten. Das finde ich sehr intolerant. All die Dramen des Alltags wegen eines petit dèjeuner d’ agircoleur.

Un petit dèjenuer d’agricoleur. Ein Traum. Un Rêve. Oui. C’est bon. Was besseres gibt es nicht. Jahrelang hat man vor dem Franzmann niedergekniet und seiner widerlichern Sprache gehuldigt. Nichts hatten wir davon. Kein Antrag wurde lyrischer, kein Arbeitsloser zum Philosoph. Hartz IV, und mit Hartz IV die gesamte französische Nation, sind alle gescheitert. Das ist die Moderne. Die Reform funzt nicht.

wird bestimmt fortgesetzt

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