Viva Cuba
Gestern waren wir auf kubanischem Staatsgebiet, passsend zum aktuellen Thema. In der kubanischen Botschaft um genau zu sein. Da war nämlich ein Empfang zu Ehren der fünf Freunde, der „Cuban“ oder wahlweise auch „Miami Five“. Hört sich an wie ne Boyband oder ein Kinderkrimi, is aber weder das Eine noch das Andere.
Die „Cuban Five“ (Rene, Antonio, Ramon, Fernando und Gerardo) sind seit 1998 in den USA inhaftierte Kubaner. Zu Unrecht natürlich, wie wir uns schon gedacht hatten. Trotz dieses traurigen Anlasses war die Veranstaltung ganz nett. Mit Musik (der multilinguale Sänger trug ein Knöchelband aus Kaurimuscheln, wahrscheinlich wegen der Cocktails), Buffett (sehr gut, wegen der Cocktails) und Cocktails. Es drängelten sich quasi ununterbrochen freundliche junge Damen mit vollen Tabletts durch die Menge, wir waren sehr zuvorkommend und befreiten sie von unnützem Gewicht. Ich überlegte zunächst, ob ich man sich nicht ein wenig schlecht fühlen sollte, schließlich fand diese ganze Veranstaltung ja der fünf Helden zu Ehren statt, die, verteilt auf fünf US-amerikanische Hochsicherheitsgefängnisse, sicherlich einer eher spartanischen Lebensweise unterworfen sind. Nach dem ersten Mojito taten sie mir immer noch genauso leid, inzwischen hatten allerdings der Menschenrechtler und der Prozessbegleiter gesprochen und mir mit ihrer zuversichtlichen und dennoch realistischen Sicht der Dinge Mut gemacht, dass alles gut werden würde. Außerdem kam gerade eine von den freundlichen jungen Damen mit Tablett vorbei, die wir zuvorkommend von unnötigem Ballast befreiten. Nach dem zweiten Mojito (auf Kuba hat man ein recht großzügiges Verhältnis zum Rum) fiel mir dann auf, dass unsere fünf Freunde ja auch nichts davon haben, wenn die arme Minze hier vertrocknet. Hätte man auch früher drauf kommen können. Und außerdem kam wieder eine von den freundlichen jungen Frauen vorbei, die viel zu zierlich war um solch ein schweres Tablett zu tragen. Und dann war die Minze alle, wir hatten der Botschaft also den Mojito ausgetrunken. Aber gab ja noch Cuba Libre, bzw. Cuban Five Libre. Da wir den vom US- Imperialismus schon genug gebeutelten Kubanern ja nicht auch noch die Cola austrinken wollten verließen wir die Veranstaltung daraufhin recht bald. Ich fands toll.
Maren Kellermann
