An diesem Wochenende habe ich den Steffen, die Alice und den Flo in Essen besucht. Den Wiemers wollte ich auch besuchen, aber der hat sein Handy verloren. Und das Wochenende endete, wie solche Wochenenden immer enden. Alkoholschwanger. Und ich musste feststellen, dass die Essener Bevölkerung das nicht unterstützt.
Zum Beispiel sind wir Samstagmorgen gegen sieben Uhr noch schnell zur Tankstelle bei Eckel um die Ecke gegangen, weil wir so dringend tanken mussten und das Kiosk noch zu hatte. Wir gingen also in die Tanke rein, in der es übrigens toll nach frischen Brötchen duftete, schnurstracks zum Kühlschrank, nahmen jeweils eine Dose Veltins und stellten uns an diesen kleinen, runden Stehtisch ganz in der Nähe der Kasse. Zunächst erregte das auch kein Aufsehen. Schließlich hatte ich ein Sakko an. Und Steffen ne Mütze. Trotzdem dauerte es nur Minuten, bis der Tankstellenmann uns ankrähte, dass man in der Tanke keine alkoholischen Getränke konsumieren dürfe Spitze. Eine ganz tolle Tankstelle, in der man nicht tanken darf. Danke, Essen. Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben aus einer Tanke rausgeflogen, obwohl wir doch nur tanken wollten. Nein, mussten.
Doch wie ich gestern erfuhr, haben es auch die Taxi-Fahrer in Essen in sich. Wir waren am Freitag nämlich eigentlich auf einer tollen Abschiedsparty von Matze, der nach Berlin zieht und sich von seinem Studentenwohnheim verabschieden musste. Nebenbei bemerkt war das auch komisch, denn in dem Partyraum wurde um eins der Strom abgestellt, sodass nicht nur das Bier warm, sondern die Musik auch leise wurde. War mit den ganzen Kerzen aber sehr romantisch. Und das Bier, ja das mussten wir halt schnell austrinken, bevor es warm wurde. Eine Low-Tech-Party sozusagen. Wir sind auf jeden Fall mit dem Taxi Heim gefahren, weil wir alle verantwortliche Autofahrer sind. Im Taxi gab es ein Gespräch, in dem ich argumentierte, dass Politiker zu wenig verdienen und habe das vorgerechnet. Der Taxifahrer hat zwar erst nix gesagt, aber ganz große Ohren gemacht, als er plötzlich ein Zweicentstück zückte und es mir als Spende in die Hand drückte. Ich kann mich daran nicht erinnern, aber es muss angeblich so gewesen sein, dass ich den Rest der Fahrt damit zubrachte, rumzujammern, dass die Spendenquittung, die ich dann ausstellen muss, teurer sei als die Spende, ich aber andererseits die Spende nicht schwarz annehmen könne. Überhaupt bin ich mir jetzt nicht sicher, ob ich die Spende an den Bundestagspräsidenten oder an einen Abgeordneten meiner Wahl weiterleiten muss. Darüber werde ich mir aber erst dann Gedanken machen, wenn das Hintergrundrauschen aus meinem Kopf verschwunden ist.
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bier, Mark./.Welt